Helden des Nordens 2014

Senioren schlichten Streit

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Foto: Ute Hagen-Haertel schlichtet Streit in Zusammenarbeit mit den Schülern.

Hannover - Ehrenamtliche wie Ute Hagen-Haertel versuchen zusammen mit Grundschülern, Konflikte friedlich beizulegen. Wer der zehnfachen Großmutter zuhört, merkt schnell, wie sehr ihr auch heute noch Kinder am Herzen liegen.

Sie treffen sich im „Raum der guten Lösung“. Wenn sich Grundschüler die Köpfe heiß geredet haben oder gar die Fäuste fliegen, kommen die Streitschlichter des Vereins „Seniorpartner in School“ (SiS) ins Spiel. Dahinter verbergen sich Senioren, die ehrenamtlich in der Schule gemeinsam mit den Kindern nach Möglichkeiten suchen, deren Konflikte friedlich beizulegen. Eine dieser engagierten Senioren ist Ute Hagen-Haertel. Sie leitet die SiS-Regionalgruppe Hannover seit 2012.

Die 70-Jährige hat viel Erfahrungen mit Freud und Leid von Kindern. Als ehemalige Lehrerin und Schulleiterin an einer Grundschule in Garbsen hat sie ihren beruflichen Alltag bis 2008 mit den Kleinen verbracht. Und wer der zehnfachen Großmutter zuhört, merkt schnell, wie sehr ihr auch heute noch Kinder am Herzen liegen.

Helden des Nordens

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„Wir sind die Erste-Hilfe-Station, wenn es Streit gibt“, sagt Hagen-Haertel. Konflikte seien ganz normal. „Aber man kann lernen, wie man diese löst.“ Ein wichtiger Grundsatz dabei lautet: Die Kinder sollen die Lösung selbst finden. „Wir geben lediglich Anstöße“, sagt Hagen-Haertel. Als Schulleiterin habe sie früher häufig Auseinandersetzungen beigelegt, wenn ihre Schüler aneinander geraten waren. „Doch da habe immer ich die Entscheidung getroffen. Besser aber ist es, wenn die Schüler den Streit selbst beenden.“

Wenn sich die Kinder gestritten haben, kommen sie entweder von selbst zu den Senioren, oder Lehrer schicken sie zu den Streitschlichtern. In dem anschließenden Gespräch gebe es generell „keine Schuldigen, sondern nur Beteiligte“, betont Hagen-Haertel. „Die Kinder erzählen dann erst einmal aus ihrer Sicht vom Konflikt.“ Dann stellen die Senioren Fragen wie: Wie hast Du dich in der Situation gefühlt? Wie ging es Dir, als das andere Kind geweint hat? „Anschließend werden die Rollen umgedreht“, erzählt Hagen-Haertel. „Derjenige, der aggressiv aufgetreten ist, soll sich in die Rolle des Opfers hineinversetzen. Und anders herum.“ Dieses Verfahren funktioniere sehr häufig, betont die Streitschlichterin aus Hannover.

Bis zu vier Tage pro Woche im Einsatz

Mit der Zeit bilden sich Vertrauensverhältnisse zwischen Kindern und Senioren, berichtet Hagen-Haertel. An bis zu vier Tagen pro Woche sitzen die Senioren in der Regel zwischen 9.30 und 13 Uhr in den Schulen und sind bereit, zwischen Streithähnen zu vermitteln. „Wir arbeiten nicht als Ersatz für Lehrer und Sozialarbeiter. Das ist uns wichtig.“ Die Mediatoren hätten einige unschlagbare Vorteile. „Wir haben alle Zeit der Welt, den Kindern zuzuhören. Sie merken schnell, dass man mit uns gut reden kann.“ Und das auch bei kleineren Streitigkeiten, die aber für die Kinder die ganze Welt bedeuten können.

Die Senioren – Menschen aus ganz verschiedenen Berufen – werden vor ihrem Engagement intensiv geschult. „Jede von uns wird 80 Stunden von einer Mediationslehrerin ausgebildet“, sagt Hagen-Haertel. In Hannover ist SiS mit 42 Senioren an sechs Grundschulen aktiv. „Sechs weitere Schulen haben sich beworben.“ In Niedersachsen engagieren sich bislang rund 220 Männer und Frauen. Ute Hagen-Haertel gehört zu diesen Streitschlichtern, die viele Schulen im Land immer wieder ein bisschen konfliktärmer machen.

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