Ticker zum Flugzeugabsturz

Separatisten behindern OSZE-Beobachter

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Foto: Die Niederlande sind entsetzt und trauern.

Donezk - Das über der Ostukraine abgestürzte Passagierflugzeug ist nach Angaben von US-Geheimdiensten sehr wahrscheinlich von Separatisten abgeschossen worden. Diese behindern OSZE-Beobachter an der Absturzstelle. Die Entwicklungen nach dem Absturz der Boeing 777 aktualisieren wir laufend im Ticker.

+++ Prorussische Separatisten haben internationalen Beobachtern den vollständigen Zugang zur Absturzstelle des malaysischen Passagierflugzeugs in der Ukraine verwehrt. Die Beobachter könnten sich nicht uneingeschränkt bewegen, hieß es am Freitag von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Wien. Berichte, wonach die etwa 20 OSZE-Vertreter beschossen worden seien, dementierte die Organisation. In der Nähe der Gruppe seien Schüsse abgefeuert worden, hieß es lediglich. Die Beobachter sollten über die Situation vor Ort berichten

+++ US-Präsident Barack Obama fordert eine sofortige Waffenruhe. Die Rakete, die das Flugzeug abgeschossen habe, sei aus einem von Separatisten kontrollierten Gebiet abgefeuert worden, sagte Obama am Freitag. Derweil kritisiert die Vereinigung Cockpit, dass Daten wie die genaue Höhe einer Maschine während des Fluges im Internet zu finden sind. „Die Informationen, wo und wie sich Flugzeuge bewegen, haben nichts in der Öffentlichkeit zu suchen“, sagte der Sprecher der Pilotengewerkschaft, Jörg Handwerg, am Freitag in Frankfurt. Parteien, die eine Bedrohung darstellten, hätten damit eine Möglichkeit, ein Flugzeug anzugreifen, warnte er.

+++ Ein Team von 30 Experten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) ist an der Absturzstelle eingetroffen. Ein AFP-Reporter berichtete, prorussische Milizionäre hätten nach kurzen Verhandlungen den Inspekteuren Zugang zu der Unglücksstelle bei Grabowe gewährt.

+++ EU-Verkehrskommissar Siim Kallas hat eine "unverzügliche und unabhängige Untersuchung" gefordert, um die Gründe für den Absturz der Passagiermaschine in der Ostukraine festzustellen. "Ich rufe alle Betroffenen auf, sich zu beteiligen und alles ihnen Mögliche zu tun, um bei dieser wichtigen Aufgabe zu helfen", sagte Kallas am Freitag in Brüssel. "Praktisch bedeutet das, dass die Ermittler unbehinderten Zugang zum Absturzort und natürlich zu den Black Boxes, dem Flugdatenschreiber und dem Stimmenrekorder im Cockpit brauchen."

+++ Das über der Ostukraine abgestürzte Passagierflugzeug ist nach Angaben von US-Geheimdiensten sehr wahrscheinlich von pro-russischen Separatisten abgeschossen worden. Das geht nach Angaben des Senders CNN aus einem vorläufigen Geheimdienstbericht hervor, wie der US-Sender am Freitag unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Beamten berichtet.

+++Der niederländische Radsport-Profi Maarten de Jonge ist nach eigenen Angaben nur durch Zufall beiden Unglücksflügen von Malaysia Airlines in diesem Jahr entgangen. Eigentlich habe er in der Maschine sitzen sollen, die am Donnerstag in der Ukraine abstürzte, sagte der Sportler niederländischen Medien. Doch weil ihm der Flug zu teuer gewesen sei, buchte der 29-Jährige noch kurzfristig einen anderen Flieger als ursprünglich geplant. De Jonge berichtete zudem, dass er auch den ersten Katastrophenflug der Fluggesellschaft im März habe nehmen wollen. Für ein Profi-Team aus Malaysia nimmt er an Wettkämpfen in Asien teil. Am 8. März saß er demnach am Flughafen von Kuala Lumpur, als die Maschine MH370 abflog. Das Flugzeug verunglückte, wurde aber bisher noch nicht gefunden. Auch damals buchte der Niederländer nach eigenen Angaben erst kurzfristig um.

+++ Die Fluggesellschaft Malaysia Airlines hat auf der Suche nach den Gründen für den Absturz von Flug MH17 auf den technisch einwandfreien Zustand des Flugzeugs verwiesen. Das Wartungsbuch sei in Ordnung gewesen und die Boeing 777 habe "normal funktioniert", sagte der Vize-Präsident für das Europa-Geschäft des Unternehmens, Huib Gorter, am Freitag am niederländischen Flughafen Schiphol. Demnach ist die Maschine seit 17 Jahren im Einsatz und war zuletzt am 11. Juli überprüft worden.

+++ Ein Team britischer Polizisten soll bei der Bergung von Leichen aus dem Wrack des mutmaßlich abgeschossenen Passagierjets in der Ostukraine helfen. Premierminister David Cameron folge damit einer Bitte seines niederländischen Amtskollegen Mark Rutte, teilte die britische Regierung mit.

+++ Die Zahl der niederländischen Opfer beim Absturz einer Maschine der Fluggesellschaft Malaysia Airlines in der Ostukraine ist auf 189 gestiegen. Das teilte die Fluggesellschaft am Freitag am Flughafen von Schiphol mit. Bei dem Unglück von Flug MH017 wurden 298 Menschen getötet, darunter vier Deutsche. Von vier Passagieren stehe die Nationalität noch nicht fest.

+++ 173 Niederländer wurden beim Absturz des Fluges MH 017 getötet. Die Niederlande sind entsetzt und trauern. Die Angehörigen werden von Psychologen betreut, abseits der Medien.

+++ Nach dem mutmaßlichen Abschuss einer Passagiermaschine über dem Osten der Ukraine hat der russische Präsident Wladimir Putin die Regierung in Kiew und die Separatisten zu einer Waffenruhe aufgefordert. Mit dem Schritt sollten Verhandlungen ermöglicht werden, sagte Putin am Freitag bei einem Treffen mit Vertretern der russisch-orthodoxen Kirche. Es müsse schnell direkte Gespräche geben. "Wir verfolgen die Ereignisse in der Ostukraine mit großer Sorge und Trauer. Es ist eine entsetzliche Tragödie", erklärte Putin.

+++ Nach dem Absturz der Boeing 777-200 in der Nähe von Donezk haben ukrainische Rettungskräfte zwei Flugschreiber sichergestellt. Das teilte ein Sprecher der regierungstreuen Gebietsverwaltung von Donezk am Freitag nach Angaben der Agentur Interfax mit. Es blieb aber unklar, wo sich die Geräte befinden.

+++ Die Bundeswehr fliegt ab sofort nicht mehr über die Ukraine, was Verzögerungen bei der Ablösung von deutschen Soldaten in Afghanistan mit sich bringt. "Bis auf Weiteres wird kein Luftfahrzeug der Bundeswehr die Ukraine überfliegen", hieß es in einer Mitteilung der Bundeswehr.

+++ Zu den Opfern der in der Ostukraine abgestürzten malaysischen Passagiermaschine gehört auch der führende niederländische Aids-Forscher und frühere Vorsitzende der Internationalen Aids-Gesellschaft, Joep Lange. Das bestätigte eine Sprecherin der Stiftung PharmAccess, die Lange gegründet hatte und die Patienten leichteren Zugang zu Aids-Medikamenten verschafft. Langes Tod sei ein „großer Verlust“, erklärte der Leiter der Stiftung, Onno Schellekens. Der 59-jährige fünffache Familienvater war demnach auf dem Weg zur 20. Welt-Aids-Konferenz, die am Sonntag in Melbourne beginnt. In der Maschine saßen rund hundert weitere Konferenz-Teilnehmer. Lange engagierte sich schon sehr früh im Kampf gegen Aids. Zwischen 2002 und 2004 saß er der Internationalen Aids-Gesellschaft vor, die auch die Konferenz in Melbourne organisiert.

+++ Mit Blumen und Kerzen haben Ukrainer und Russen vor niederländischen und malaysischen Botschaften in ihren Ländern der Opfer des Flugzeugabsturzes im Konfliktgebiet Donezk gedacht. In Kiew legten Trauernde auch Plüschtiere an den diplomatischen Vertretung ab. Kiews Bürgermeister, der frühere Profiboxer Vitali Klischko, kam mit Blumen zur Botschaft der Niederlande.

+++ Nach dem Absturz eines malaysischen Verkehrsflugzeugs mit 298 Menschen an Bord haben Rettungskräfte im Osten der Ukraine einen großen Teil der Leichen gefunden. Bis zum Freitagmittag seien 181 Tote geborgen worden, teilte das ukrainische Außenministerium nach Angaben der Agentur Interfax mit.

+++ Bei dem Absturz einer malaysischen Boeing über der Ostukraine ist auch ein Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ums Leben gekommen. Das teilte die WHO am Freitag im Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Diffuse Angst reicht nicht für Stornierung

Dass eine Airline eine Route über ein Krisengebiet wählt, ist kein ausreichender Grund, um einen gebuchten Flug kostenlos stornieren zu können. Darauf weist der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover hin. „Eine diffuse Angst, dass da möglicherweise etwas passieren könnte, reicht den Gerichten als Grund nicht aus“, erklärt Degott. Über Krisengebiete wie Israel, Ägypten oder Afghanistan finde der Flugverkehr schon seit Jahren ohne Zwischenfälle mit Passagiermaschinen statt.

„Anders liegt der Fall, wenn eine konkrete Bedrohung bekannt ist, die die Airline ignoriert.“ Unternehmen, die in der aktuellen Situation weiterhin über die Ukraine fliegen wollen, müssten damit rechnen, dass ihre Gäste bei einer Stornierung vor Gericht Recht bekämen. Viele Airlines meiden den ukrainischen Luftraum bereits seit einigen Monaten, andere wie die Lufthansa haben angekündigt, ihre Flüge bis auf weiteres umzurouten.

+++ Beim Flugzeugabsturz über der Ostukraine wurden nach Angaben der Fluggesellschaft Malaysia Airlines vom Freitag 298 Menschen getötet. Darunter waren 154 Niederländer, 43 Menschen aus Malaysia (einschließlich der 15 Besatzungsmitglieder und zwei Kinder), 28 Australier, 12 Indonesier (darunter ein Kind), 9 Personen aus Großbritannien, 4 Deutsche, 4 Belgier, 3 Philippiner sowie ein Kanadier. Von 41 Menschen konnte die Nationalität noch nicht festgestellt werden.

+++ Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht "sehr, sehr viele Indizien" für einen Abschuss der malaysischen Passagiermaschine in der Ostukraine. "Es geht jetzt darum, dass schnellstmöglich eine unabhängige Untersuchung eingeleitet wird", sagte die CDU-Politikerin am Freitag in Berlin. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

+++ Die Flugroute der abgestürzten Boeing 777-200 der Malaysia Airlines war nach Angaben der Behörden in Kuala Lumpur mit dem internationalen Luftfahrtverband IATA abgesprochen. "IATAsagt, dass es keine Einschränkungen für den Flugverkehr in dem Gebiet gab", erklärte der malaysische Transportminister Liow Tiong Lai am Freitag auf einer Pressekonferenz. Er wies darauf hin, dass bislang 15 oder 16 andere Fluggesellschaften das Gebiet überflogen hätten.

+++ Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat die internationale Gemeinschaft zum Schutz vor dem "Aggressor" Russland aufgerufen."Die ganze Welt hat das wahre Gesicht des Aggressors gesehen", sagte Poroschenko in einer Ansprache an die ukrainische Bevölkerung. "Der Abschuss eines zivilen Flugzeuges ist ein Akt des internationalen Terrorismus, der sich gegen die ganze Welt richtet", sagte er einem am Freitag von der Präsidialverwaltung in Kiew veröffentlichen Manuskript zufolge.

+++ Bei dem Flugzeug-Absturz in der Ostukraine sind auch vier Deutsche ums Leben gekommen. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin bestätigte dies am Freitag. Einzelheiten nannte sie nicht. Der UN-Sicherheitsrat sollte in einer Sondersitzung über die Krise in der Ukraine und den mutmaßlichen Abschuss des Verkehrsflugzeugs mit rund 300 Menschen an Bord beraten.

+++ Nach dem Absturz der malaysischen Passagiermaschine haben die prorussischen Separatisten in der Ostukraine eine zwei- bis viertägige Waffenruhe zur Untersuchung der Ursache angekündigt. Die Feuerpause solle bei Konsultationen der internationalen Kontaktgruppe um 11 Uhr MESZ vereinbart werden, teilte Separatistenführer Andrej Purgin mit.

+++ Der mutmaßliche Abschuss eines Passagierflugzeugs über der Ost-Ukraine hat am Freitag erneut für Unruhe am deutschen Aktienmarkt gesorgt. Der Dax baute sein gut einprozentiges Vortagesplus um 0,5 Prozent aus und fiel auf 9704 Punkte. „Mit dem Abschuss einer Passagiermaschine, die das ukrainische Bürgerkriegsgebiet überflog, hat der Konflikt Westeuropa und den Rest der Welt erreicht", schrieb Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann in einem Kommentar.

+++ Unter den 298 Opfern des Flugzeugabsturzes über der Ostukraine ist auch der international bekannte Aids-Forscher Joep Lange. Der Niederländer sollte an einer internationalen Aids-Konferenz in Melbourne teilnehmen.

+++ Die über der Ukraine abgestürzte Boeing der Malaysia Airlines kann nach Ansicht von Experten nur von einer hoch komplexen Waffe abgeschossen worden sein. Das berichtete die Zeitung "Wall Street Journal". Tragbare Raketen, die von der Schulter abgefeuert werden, reichten nicht aus, ein Verkehrsflugzeug in 10.000 Metern Höhe abzuschießen. Dafür sei eine Boden-Luft-Rakete nötig.

+++ Rettungskräfte finden nach Angaben eines Reuters-Kameramanns einen zweiten Flugschreiber der mutmaßlich abgeschossenen malaysischen Passagiermaschine. Prorussische Separatisten hatten nach eigenen Angaben am Donnerstag ebenfalls eine sogenannte Black Box gefunden.

+++ Das US-Präsidialamt fordert die ukrainische Regierung und die prorussischen Rebellen zu einer sofortigen Waffenruhe auf. Dadurch solle rasche eine unabhängige Untersuchung des Absturzes einer Passagiermaschine im Osten des Landes ermöglicht werden, erklärt ein Sprecher. Dabei könnten die Vereinten Nationen und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) eine wichtige Rolle spielen.

+++ Russlands Präsident Wladimir Putin sieht die prowestliche Führung in Kiew in der Verantwortung. Die schreckliche Tragödie wäre nicht passiert, wenn es in der Ostukraine keinen Krieg gebe, sagt Putin.

+++ Die Briten beantragen eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates. Dem Vernehmen nach soll das Gremium am Freitagnachmittag (Ortszeit, 21 Uhr deutscher Zeit) in New York zusammenkommen.

+++ Die USA gehen davon aus, dass eine Boden-Luft-Rakete abgefeuert wurde. Es sei noch unklar, wer geschossen habe.

+++ US-Präsident Barack Obama, die Bundesregierung und auch die Nato fordern eine internationale Untersuchung des Flugzeugabsturzes.

+++ An Bord der Boeing waren zahlreiche Aids-Aktivisten. Sie befanden sich auf dem Weg zu einem Welt-Aids-Kongress im australischen Melbourne.

+++ Die ukrainischen Behörden haben den Luftraum über der Ostukraine gesperrt.

+++ Der ukrainische Geheimdienst hat nach eigenen Angaben Telefongespräche abgehört, in denen prorussische Separatisten den Abschuss eingestehen sollen. Es bleibt unklar, mit welchen Waffen eine einzelne Gruppe die Boeing in 10.000 Metern Flughöhe getroffen haben könnte.

rtr/dpa/ska

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