Geständnis

„Sexy Coras“ Ärztin räumt Schuld an Tod ein

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Foto: Die 56-jährige Ärztin schilderte am Montag vor dem Hamburger Landgericht, was aus ihrer Sicht bei der fünften - und tödlichen - Busen-OP des Porno-Stars „Sexy Cora“ schiefgegangen ist.

Hamburg - Ein größerer Busen bedeutet in der Porno-Branche auch größere Aufmerksamkeit. „Sexy Cora“ legt sich immer wieder unters Messer - und stirbt. Ihre Ärztin räumt jetzt die Schuld an ihrem Tod ein. Das Geständnis hakt aber bei wichtigen Details.

Es ist eine Erklärung des Scheiterns. „Ich trage die Verantwortung und Schuld für den Tod der Patientin Carolin Wosnitza“, liest die angeklagte Narkoseärztin vom Blatt ab. Gut 20 Minuten lang schildert die 56-Jährige am Montag vor dem Hamburger Landgericht, was aus ihrer Sicht bei der fünften - und tödlichen - Busen-OP des Porno-Stars „Sexy Cora“ schiefgegangen ist. Sie geht in viele medizinische Details, spricht von Atemzugvolumen und Sauerstoffsättigung, von Herzstillstand und Elektroschocks. Eines jedoch ist ihre Erklärung nicht: ein umfassendes Geständnis.

Bis heute, zwei Jahre nach dem Tod der 23 Jahre alten früheren „Big Brother“-Kandidatin, hält sie die Ursache für unerklärlich. „Was zum Herzstillstand geführt haben könnte, das sind alles Spekulationen.“ Bei der Beatmung, davon ist sie überzeugt, habe sie alles richtig gemacht. Sie räumt aber ein, dass der Alarmton am Gerät zur Herzüberwachung ausgeschaltet war - und sie den Herzstillstand daher nicht sofort erkannte.

Die Staatsanwaltschaft und ein medizinischer Gutachter dagegen sehen viel weitreichendere Behandlungsfehler. Nach Ansicht des Sachverständigen hat die Ärztin wichtige Werte der Patientin, wie etwa Blutdruck und Sauerstoffversorgung, nicht oft genug kontrolliert - und die Daten erst im Nachhinein aus dem Gedächtnis protokolliert. „Man hat sein Augenmerk nicht voll darauf gelenkt.“ Er geht davon aus, dass Fehler bei der Beatmung den Herzstillstand auslösten. Wäre die Fehlbeatmung bemerkt worden, ergänzt der Staatsanwalt, „dann wäre die Patientin nicht verstorben“.

Die Medizinerin war lange nicht verhandlungsfähig. Sie sei stark depressiv gewesen, sagt die 56-Jährige, fühle sich jetzt aber „gesundheitlich gut“. Als sie mit ihrem Verteidiger im Saal 237 erscheint, ist sie völlig verhüllt - eine Figur in Schwarz. Kopftuch, Sonnenbrille, langes Gewand. Sie wirkt erschüttert, angespannt, ein wenig zerfahren - und nicht immer konsequent. So erklärt sie zwar, sie habe ihren Beruf als Ärztin aufgegeben und einen Rentenantrag gestellt. Ihre Approbation aber, die ärztliche Zulassung, die wolle sie nicht zurückgeben. Einen Grund dafür nennt sie nicht.

Bei rund 10.000 Operationen sei sie als Narkoseärztin dabei gewesen, sagt die 56-Jährige. Der Herzstillstand der platinblonden, tief gebräunten Pornodarstellerin „Sexy Cora“ aber sei in all den Jahren ihr erster Zwischenfall dieser Art gewesen.

Wie häufig es bei - medizinisch nicht notwendigen - Schönheits-OPs zu Komplikationen kommt, weiß niemand genau. Es ist schon unklar, wie viele Frauen in Deutschland sich überhaupt die Brüste vergrößern lassen. Die Zahl kann nur geschätzt werden, ein zentrales Register existiert bisher nicht.

Die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen geht von knapp 25.000 Operationen zur Brustvergrößerung im Jahr 2011 aus. Zu mehrfachen Busen-OPs - „Sexy Cora“ wollte sich Körbchengröße F noch weiter aufpolstern lassen - gibt es nicht einmal mehr Mutmaßungen.

Insgesamt wird die Zahl der Schönheits-Operationen in Deutschland auf mehr als eine halbe Million geschätzt - ein Riesengeschäft. Weil der Begriff „Schönheitschirurg“ nicht geschützt ist, darf selbst ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt eine Bauchstraffung machen. Erst seit 2005 gibt es den Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie. Die Verbraucherzentrale Hamburg fordert daher seit langem, unabhängige Institute müssten die Komplikationsraten nach Schönheits-OPs systematisch erforschen. Für die Narkoseärztin jedenfalls, das sagt sie vor Gericht, war „Sexy Coras“ Tod ein „Schock, der bis ins Mark geht“.

dpa

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