Regen, Wind und grauer Himmel

Wer sich über das Wetter freuen kann

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Foto: Pfützen wecken Bewegungsdrang und Neugier bei Kindern.

Hannover - Das frühsommerliche Wetter lässt weiter auf sich warten. Zum Leid von Freibadbetreibern und Landwirten. Doch das durchwachsene Wetter hat auch seine guten Seiten. Fakten und Einschätzungen.

Minus: Viele Landwirte jammern derzeit. Zu Recht: Denn Hochwasser und Kälte sorgen für Ernteeinbußen. So leiden, Spargel, Mais und Erdbeeren, und auch das erste Heu konnte noch nicht gemacht werden. Lediglich das Getreide profitiert von der kühlen Witterung mit standfesten Halmen und starken Ähren – wenn die Nässe nicht so lange anhält, dass sich Mehltau und andere Krankheiten ausbreiten können. Insgesamt seien die Verluste derzeit aber noch aufzuholen, sagt die Landwirtschaftskammer Hannover. Die meisten Pflanzen könnten den Rückstand noch wettmachen, wenn die Böden abtrocknen. Und dank der Abdeckung mit Vlies und Folie soll es Ende der Woche auch die ersten Erdbeeren geben.

Minus: Auch die Bienen haben es in diesem Frühjahr nicht leicht. Schon der lange Winter hatte die Völker geschwächt, und nun regnet es seit Wochen. Die Phase nahrhafte Pollen einzutragen war sehr kurz. „Erst haben die Kirschbäume geblüht, dann gleich die ersten Apfelbäume – und jetzt ist nichts mehr“, sagt Horst Ehlers vom Imkerverein Hannover-Nord. Denn die Pflanzen öffnen ihre Blüten bei Regen nicht. Viele Bienen ernähren sich derzeit von ihrem eigenen Honig, auch die Brutpflege leidet. Wird das Wetter nicht besser, müsse mancher Imker wohl im Juli zufüttern, befürchtet Ehlers.

30 Prozent mehr Pauschalreisen

Minus: Das schlechte Wetter schlägt auch auf die Reiselaune. Am liebsten möchten die Deutschen jetzt in die Sonne flüchten. Nach dem Dauerregen gingen die Abschlüsse für Deutschlandreisen laut L’Tur-Chef Markus Orth zurück, dafür wurden 30 Prozent mehr Pauschalreisen gebucht. Ein kleines Comeback feiert etwa das angenehm warme Tunesien. Eine Ausnahme unter den deutschen Zielen sind die Nordseeinseln. „Der Gast, der zu uns kommt, ist kein Sonnenurlauber und weiß, was auf ihn zukommt“, sagt etwa Langeoogs Tourismusmanager Hinrik Dollmann.

Minus: Trüb ist die Lage in Deutschlands Freibädern. Nürnberg und Würzburg hatten zwischenzeitlich sogar Bäder dicht gemacht. Auch in Hannover sind es vor allem die Dauerschwimmer, die draußen ihre Bahnen ziehen. „Wir haben deutlich weniger Badegäste als vor einem Jahr“, sagt beispielsweise Elke Steuer vom Lister Bad in Hannover.

Plus: Dass Kinder von Wasser magisch angezogen werden, wissen Eltern – aber nicht immer zu schätzen. Doch keiner sollte schimpfen, wenn sich sein Kind in Regenpfützen tummelt: Spielen im Matsch ist wichtig für Sinne und Entwicklung, weil Beweglichkeit und Kernkompetenzen wie Selbstvertrauen und Risikoabschätzung verbessert werden, sagt Dieter Breithecker, Leiter der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung. Wasser weckt in besonderer Form Bewegungsdrang und Neugier: Bei jedem Sprung reagiert es anders. Nur wer die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung erforsche, verstehe, wie die Welt funktioniert.

Gute Nachrichten für Pilzsammler

Plus: Die starken Niederschläge der vergangenen Tage verursachen nicht nur Hochwasser, sondern füllen auch die Talsperren im Harz, die große Teile Niedersachsens versorgen. Damit sind die Harzwasserwerke auch für einen heißen Sommer bestens gerüstet. Den Hannoveranern dagegen kann das Wetter in Sachen Trinkwasser relativ egal sein: Etwa 90 Prozent des Wassers stammen aus den beiden Grundwasserkraftwerken im Fuhrberger Feld. „Die produzieren wetterunabhängig“, erklärt Enercity-Sprecher Carlo Kollen.

Plus: Das Schmuddelwetter bringt zumindest für Pilzsammler derzeit gute Nachrichten: Mancherorts sprießen Pilze schon wie im Herbst, Experten sagen bereits ein Rekordjahr voraus.

Plus: Und: Während derzeit Kastanie, Rotdorn, Raps und Rosenakazie ihren Blütenstaub auf die geparkten Autos schütteln, wäscht Starkregen die leuchtenden Körnchen so zuverlässig weg, dass man die Blütezeit nur noch an den gelben Rändern der Pfützen erkennt.

Christiane Eickmann, Tatjana Riegler und Nicola Zellmer (mit: dpa)

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