Flugzeugabsturz in Belgien

„Sie hatten keine Chance“

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Ein kleines Flugzeug ist am Samstagnachmittag in Belgien abgestürzt.

Brüssel - Es soll ein fröhlicher Sportausflug werden. Doch das Flugzeug der Fallschirmspringer stürzt ab, niemand überlebt. Brisant ist auch: Das Flugzeug verunglückte schon einmal.

Elio Di Rupo ringt um Worte. Sein Gesicht ist aschfahl. „Wir teilen das Leiden der Familien“, sagt Belgiens Regierungschef wenige Stunden nach dem Flugzeugunglück von Namur, südöstlich von Brüssel. Elf Menschen starben dort am Sonnabendnachmittag, als der Sportausflug eines Fallschirmspringerklubs in einer Katastrophe endete.

Zehn Fallschirmspringer – neun Männer und eine Frau – waren mit der Maschine vom Typ Pilatus PC-6 bei ruhigem Wetter auf dem Flugplatz in Temploux gestartet. Die Teilnehmer seien erfahrene Springer gewesen, sagte Namurs Bürgermeister Maxime Prevot. Der Flug sei, anders als zunächst vermutet, nicht Teil einer Geburtstagsfeier samt Fallschirmspringertaufe gewesen.

Zehn Kilometer nach dem Start geriet die Pilatus ins Trudeln. Augenzeugen berichteten, die Maschine habe während des Flugs eine Tragfläche verloren. „Ich habe ein Flugzeug gesehen, das mitten im Flug seinen rechten Flügel verlor“, sagte ein Anwohner. „Dann sank die Nase des Flugzeugs und es stürzte 200 Meter weiter ab“, sagte ein anderer. Anwohner Benoît Pierson berichtete, dass mehrere Insassen aus der abstürzenden Maschine gesprungen seien. Als er die Unglücksstelle erreichte, habe einer der Fallschirmspringer noch gelebt, sagte er dem Sender RTL-TVI. Für den Mann sei aber jede Hilfe zu spät gekommen.

„Der Notruf ging bei uns um 15.40 Uhr ein“, sagte der Feuerwehrmann Michel Doumont aus Namur. „Als wir ankamen, brannte das Flugzeug und war komplett auseinandergebrochen.“ Die Opfer hätten keine Chance gehabt, hieß es. Hunderte Trümmerteile lagen weit verstreut auf dem Feld. Im Wrack seien drei geöffnete Fallschirme gefunden worden. Drei der Insassen hätten demnach offenbar noch versucht, sich mit einem Sprung zu retten, sagte der Bürgermeister der benachbarten Stadt Fernelmont, Jean-Claude Nihoul. Die Opfer, darunter auch der Pilot der Unglücksmaschine, seien zwischen 21 und 40 Jahre alt, sagte Belgiens Innenministerin Joëlle Milquet. Viele von ihnen hätten kleine Kinder. Angehörige und Freunde, von denen viele am Flugplatz von Temploux vergeblich auf die Rückkehr der Fallschirmspringer gewartet hatten, kamen am Sonntag zur gemeinsamen Trauer zusammen. Am Abend nach der Katastrophe hatten Premier Di Rupo und König Philippe mit den Angehörigen gesprochen.

Die Ursache des Unfalls war am Sonntag noch völlig unklar. Es war schon der zweite Absturz der Unglücksmaschine, wie die belgische Behörde für Flugunfalluntersuchungen am Sonntag mitteilte. Im März 2000 sei die Maschine westlich von Brüssel kurz nach dem Start verunglückt, zwei Insassen kamen damals ums Leben. Es komme extrem selten vor, dass eine Tragfläche beim Flug abbreche, sagte Jens Friedemann von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung am Sonntag in Braunschweig. Mögliche Ursachen seien der Zusammenstoß mit einem Hindernis, eine Überlastung des Flugzeugs, Vorschäden oder auch mangelhafte Wartung. Der belgische Fallschirmspringer-Verband hat bis Jahresende alle Sprünge abgesagt.

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