Tödliche Schüsse auf 16-Jährigen

Sittenser Überfall liegt jetzt beim BGH

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Foto: Mit dem Urteil gegen den Rentner sind Staatsanwalt und Verteidigung nicht einverstanden.

Stade - So etwas passiert selten. Nach dem Urteil gegen einen 81 Jahre alten Mann aus Sittensen wegen Totschlags haben sowohl Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung Revision eingelegt.

Das sagte am Dienstag der Stader Staatsanwalt Kai Thomas Breas. Zur Begründung sagte Breas, die Staatsanwaltschaft halte das Urteil für falsch. „Wir haben es hier mit einem absoluten Sonderfall zu tun. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung hatten Freispruch beantragt.“ Gleichwohl habe das Gericht den Angeklagten verurteilt. „Das ist absolut ungewöhnlich.“

Der Rentner hatte 2010 einen 16-Jährigen erschossen, als dieser ihn mit vier anderen Männern in seinem Haus überfiel. Die Männer flüchteten, und der Rentner schoss ihnen mit einer Pistole hinterher. Dabei wurde der 16-Jährige tödlich in den Rücken getroffen. Das Landgericht Stade verurteilte den Mann Ende Oktober zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft konnte der damals 77-Jährige eine Notwehrlage für sich in Anspruch nehmen. Er war frisch am Knie operiert worden, war den vier jungen Tätern körperlich unterlegen. Außerdem meinte er, einen Schuss gehört zu haben. Sein Handeln sei von Angst bestimmt gewesen. Der Rentner habe die Schüsse damals in einer akuten Belastungsreaktion aus purer Angst um sein Leben abgegeben, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer – auch wenn es objektiv keine Notwehr gewesen sei, sei sein Handeln entschuldbar gewesen. Auch die Verteidigung hatte einen Freispruch gefordert – wegen Notwehr. Jetzt muss sich der Bundesgerichtshof mit dem Fall befassen.

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