Betrieb aus Bad Bentheim unter Verdacht

Skandal um Gammelfleisch, „das schon grün ist“

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Foto: Niedersachsen steht vor einem neuen Gammelfleischskandal.

Hannover - Ein Unternehmen aus Bad Bentheim soll tonnenweise verdorbenes Fleisch verarbeitet haben. Einem solchen Verdacht geht die Staatsanwaltschaft Oldenburg nach.

Sie hat den unmittelbar an der Autobahn 30 in der Grafschaft Bentheim gelegenen Betrieb zweimal durchsucht – „einmal im Juni und einmal im Oktober“, sagte Staatsanwalt Martin Rüppell am Mittwoch und bestätigte damit einen Bericht der ARD. Das Unternehmen wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern.

Das Verbraucherschutzministerium in Hannover betonte am Mittwoch, den Behörden in Niedersachsen lägen nach aktuellem Stand keine Informationen darüber vor, dass verdorbenes Fleisch in den Handel gelangt sei. Der Betrieb werde durch den Landkreis täglich kontrolliert, erklärte ein Sprecher von Verbraucherschutzminister Christian Meyer. Zwei Delikte wirft die für Landwirtschaftsstraftaten schwerpunktmäßig zuständige Ermittlungsbehörde dem Unternehmen vor: Vor allem gehe es um einen Kennzeichnungsverstoß, erklärte Staatsanwalt Rüppell. In dem Betrieb an der deutsch-niederländischen Grenze soll billiges sogenanntes Separatorenfleisch – maschinell vom Knochen entfernte Fleischreste – verarbeitet worden sein, ohne dass dies ausreichend auf den Produkten gekennzeichnet wurde. Wegen eines ähnlichen Verdachts haben die Oldenburger Ermittler im Juni auch einen Fleischbetrieb mit Sitz in Bremen und Diepholz durchsucht. Ob die Razzien miteinander zu tun haben, sagte Rüppell nicht.

Im Zusammenhang mit der Verarbeitung von Gammelfleisch glaubt die Staatsanwaltschaft außerdem, dass das Unternehmen sich falsche Veterinärzeugnisse beschafft hat, um die fragwürdige Herkunft von Schlachtabfällen zu verschleiern. Nach Angaben von ehemaligen Mitarbeitern wurden in Bad Bentheim jede Woche Zehntausende Kilo Gammelfleisch verarbeitet. „Es wird auch Fleisch geliefert, das schon grün ist“, sagt ein ehemaliger Mitarbeiter in dem TV-Beitrag. „Wir Arbeiter weisen zwar darauf hin, dass das Fleisch schlecht ist. Aber dann wird uns gesagt, dass wir es doch verarbeiten sollen, und wir werfen es in die Maschinen.“ Handyaufnahmen zeigen, wie Fleisch aus Kisten verarbeitet wird, auf denen der Hinweis „gesperrt“ steht. Nach Angaben des Ministeriums steht auch der Verdacht des gewerbsmäßigen Betruges im Raum.

Verbraucherschutzminister Meyer sieht dadurch den Ruf des Landes gefährdet. „Wenn sich der Verdacht bestätigt, dann ist das ein weiterer Skandal in der Billigfleischindustrie, der zulasten der Verbraucher geht“, sagte der Grünen-Politiker der HAZ.

Der Ruf Niedersachsens dürfe nicht durch immer neue Fleischskandale und die Ausbeutung von Billigarbeitern leiden.

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