Krebserregender Bauschutt

Skandal um Pfusch bei A7-Ausbau weitet sich aus

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Foto: Mittelstreifen und Böschung belastet: Die A 7 bei Bockenem.

Bockenem - Der Skandal um die mit krebserregenden Stoffen belastete Autobahn 7 zwischen Bockenem und dem Dreieck Salzgitter weitet sich offenbar aus. In zehn Fällen besteht der Verdacht, dass belastetes Material von der Autobahn auch auf privaten Grundstücken eingesetzt wurde.

Der Skandal um die mit krebserregenden Stoffen belastete Autobahn 7 zwischen Bockenem und dem Dreieck Salzgitter weitet sich offenbar aus. Bei mindestens zehn Grundstücken im Landkreis Hildesheim besteht der Verdacht, dass dort ebenfalls mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belastetes Material verbaut wurde, obwohl die Konzentration des Gifts deutlich über den zulässigen Grenzwerten liegt. Das hat Helfried Basse, Umweltdezernent des Landkreises, gestern mitgeteilt.

Bei dem Ausbau des etwa zwölf Kilometer langen Abschnitts hatten die Baufirmen altes Baumaterial wiederverwendet – dabei aber offenkundig gegen Vorgaben und Gesetze verstoßen. Jedenfalls fanden sich in Mittelstreifen und Böschungen sowie in Gräben und Regenrückhaltebecken PAK in einer Konzentration von teilweise mehr als dem Doppelten des zulässigen Grenzwertes. Belastet war vor allem das Material, mit dem die Bauarbeiter vor Jahrzehnten die Betonplatten der Fahrbahnen verfugt hatten.

Privatleute und Firmen betroffen

Wie Basse jetzt im Bau- und Entwicklungsausschuss des Kreistages berichtete, besteht derzeit in zehn Fällen der Verdacht, dass belastetes Material von der Autobahn auch auf Grundstücken eingesetzt wurde – etwa als Unterbau für gepflasterte Einfahrten. Basse ging nicht ins Detail, betroffen sind nach Informationen dieser Zeitung allerdings sowohl Privatleute als auch Firmen – fast alle auf dem Gebiet der Stadt Bockenem, zum Teil auch im Raum Holle.

„Teilweise haben wir die Eigentümer schon aufgesucht, teilweise geschieht das noch“, berichtete Basse. Anhand von Dokumenten und Zeugenaussagen will der Landkreis zunächst herausfinden, ob der jeweilige Verdacht begründet ist und ob sich nachvollziehen lässt, woher das möglicherweise kontaminierte Material stammt. Lässt sich ein Verdacht so nicht ausräumen, müssen Fachleute Proben nehmen.

Für die Betroffenen kann das ziemliche Scherereien bedeuten: Sind Grenzwerte überschritten, müssen sie das Material entsorgen lassen, die Einfahrt – um bei dem Beispiel zu bleiben – neu pflastern und dann versuchen, sich den Schaden vom Lieferanten des belasteten Materials ersetzen zu lassen.

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