Tödliche Leckerlis

Smartphone-App warnt vor Giftködern

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Foto: Hundebesitzer können der App "Giftköderradar" melden, wenn sie auf verdächtige Leckerlis stoßen. Andere Halter werden dann gewarnt.

Hannover - In Deutschland werden öfter Giftköder ausgelegt. Tierschützer und Landeskriminalämter schlagen Alarm, die Täter werden jedoch nur in den seltensten Fällen geschnappt: Deswegen wollen sich Hundebesitzer nun selbst schützen: Eine Smartphone-App warnt vor den tödlichen Leckerlis.

"Giftköder tötet Hund", "Tierquäler spicken Wiener Würstchen mit Stecknadeln", "Polizei warnt: Köder mit Rasierklingen ausgelegt". Immer wieder gibt es solche Meldungen – und oft enden die Attacken für die Tiere tödlich. Sie verbluten innerlich, sterben unter Krämpfen und großen Schmerzen, wie die Tierrechtsorganisation Peta schildert.

"Wir haben ganz klar den Eindruck, dass die Zahl der Fälle zunimmt", hat Baden-Württembergs Tierschutzbeauftragte Cornelie Jäger kürzlich gesagt. Peta spricht von einer bundesweiten Häufung, auch wenn offizielle Zahlen dazu rar sind. In der Kriminalstatistik werden die Delikte teils als Verstöße gegen das Tierschutzgesetz erfasst, teils auch als Sachbeschädigung (so auch beim LKA Niedersachsen). Bei den Vergehen gegen den Tierschutz haben die Ermittler im vergangenen Jahr bundesweit 6719 Fälle erfasst – verglichen mit dem Jahr 2010, als 6521 Fälle registriert wurden, ist das ein Plus von gut drei Prozent.

In den Bundesländer steigen die Fälle

Aus den Länder kommen genauere Angaben: In Bayern ist in Bayern seit dem Jahr 2011 mit rund 60 Fällen bis zum Jahr 2014 mit etwa 100 Fällen "ein kontinuierlicher Anstieg der Fallzahlen" festzustellen. Diese Tendenz setze sich im laufenden Jahr fort. "Im ersten Halbjahr 2015 waren bereits 85 Fälle zu verzeichnen", teilt ein Sprecher des Landeskriminalamts mit. Gleiches Bild in Rheinland-Pfalz: "Die Fallzahlen für diesen Bereich stiegen in den Jahren 2008 bis 2014 mit verschieden hohen Zuwächsen fast ständig an", heißt es aus dem dortigen Landeskriminalamt.

In und um Hannovertauchen immer wieder gefährliche Leckerlis auf – Anfang des Jahre gleich 50 in der Südstadt und in Langenhagen.

Die Täter werden oft nicht gefasst. Deswegen haben Hundebesitzer nun eigene Wege ersonnen, sich und ihre Vierbeiner zu schützen. "GiftköderRadar" heißt die Smartphone-App und die dazu gehörige Website, auf der Giftfunde eingetragen werden können. In diesem Jahr seien schon rund 1800 Meldungen aufgenommen worden (im Vergleich zu 1277 Meldungen im gesamten vergangenen Jahr), sagt Initiator Sascha Schoppengerd. Die GiftköderRadar GmbH hat ihren Sitz in Östereich.

Findet ein Gassi-Gänger einen Giftköder, stellt er ihn mitsamt Standort online. Hundehalter, die sich in der Nähe befinden, bekommen daraufhin eine Pushmitteilung. Wer ein kostenpflichtiges Zusatzangebot erwirbt, kann sich sogar bundesweit Gefahrenzonen anzeigen lassen. Es bleibt jedoch zu beachten, dass nicht jeder Fund von der Polizei bestätigt ist, der in der App anzeigt wird. Der Praxistest ergab, dass gemeldete Funde teils schon älteren Datums sind.

Michael Kieffer/aks

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