„Mussten Blut wegwischen“

Sohn belastet Vater im Prozess um getötete Küsterin

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Foto: Ein 54-Jähriger aus Braunlage soll im vergangenen November seine Ehefrau im Keller einer Kirche erschossen haben.

Braunschweig - Die Küsterin von Braunlage und Mutter von zehn Kindern wird mit einem Kopfschuss getötet in der Kirche gefunden. Im Prozess gegen ihren Mann erhebt der Sohn nun schwere Vorwürfe gegen seinen Vater. Der 54-Jährige ist wegen Mordes angeklagt und schweigt.

Im Prozess um den Mord an der Küsterin aus Braunlage hat der Sohn des Opfers gegen seinen angeklagten Vater schwere Vorwürfe erhoben. „Wir mussten das Blut unserer Mutter aufwischen und in der Toilette runterspülen“, sagte der 20 Jahre alte Sohn am Mittwoch vor dem Landgericht Braunschweig. Der angeklagte 54-Jährige schwieg weiter zu den Vorwürfen. Er soll seine Ehefrau durch einen Schuss in den Hinterkopf aus nächster Nähe getötet haben. Die Küsterin wollte sich von ihm scheiden lassen. Zehn gemeinsame Kinder hat das Paar.

Mit seiner zwölfjährigen Schwester habe er am Tattag vor der Kirche auf seinen Vater gewartet. „Plötzlich gab es einen Wahnsinnsknall“, erinnerte sich der junge Mann. Sofort seien er und seine Schwester in die Kirche gelaufen. Dort bot sich ihnen ein grauenhaftes Bild - die Mutter lag mit einem Kopfschuss in der Sakristei. „Sie war zu böse“, habe der Vater gesagt. „Wir mussten erstmal realisieren, dass das kein Traum war“, sagte der Sohn.

Dann habe er mit dem Vater den Leichnam in den Keller der Kirche schaffen müssen. Seine kleine Schwester und er hätten die tote Mutter mit einem Messdiener-Gewand auf Geheiß des Vaters zudecken müssen. Anschließend sei der Vater mit seinen beiden Kindern geflohen, später stellten sie sich der Polizei in München.

Die 12-Jährige selbst verweigerte vor Gericht die Aussage, frühere Vernehmungen dürften jedoch verwandt werden. Sie sollen demnächst verlesen werden. Ihre Lehrerin hatte zuvor ausgesagt, dass das Mädchen ihr einen ähnlichen Verlauf des Tatabends anvertraut habe.

Der angeklagte Vater hörte sich die Aussagen fast regungslos, teils mit verschränkten Armen an. Als der Richter die Tochter fragte, ob sie zu ihrem Vater gehen wollte, nickte das Kind und umarmte den Mann. Der Sohn wünschte sich von seinem Vater, dass er sein Schweigen brechen möge: „Wenn der Angeklagte sagen würde, was wirklich in der Kirche passierte, wäre er mein Vater.“

Die Familie war schon lange zerrüttet. Der Vater und der 20-Jährige hatten vor der Tat zwei Jahre in Griechenland und Italien von wenig Geld in den Tag hineingelebt. Die letzten Monate vor dem Mord waren sie nach Aussage des Sohnes obdachlos in Deutschland gewesen. Zuletzt hätten sie im ehemaligen, verwahrlosten Haus der Familie ohne Strom und Wasser gelebt.

dpa

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