Immobilienmarkt auf Nordseeinseln

Wer soll das (noch) bezahlen?

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Foto: Borkumer Strandleben: Die Inseln locken nicht nur viele Touristen, sondern seit der Finanzkrise auch zunehmend Investoren an, die ihr Geld in Immobilien stecken.

Hannover - Weil Investoren immer mehr Immobilien kaufen, haben Einheimische auf den Nordseeinseln oft das Nachsehen: Es fehlen bezahlbare Wohnungen für die eigene Bevölkerung. Die Landesregierung hat am Dienstag eine Bundesratsinitiative beschlossen, die auf eine Änderung des Baugesetzbuches abzielt.

Auf dem nordfriesischen Sylt herrscht schon Notstand. Aber auch die Ostfriesischen Inseln kennen spätestens seit der Finanzkrise ein Problem, das vor allem aus der Attraktivität der Eilande für Touristen und dem knappen und klar begrenzten Baugrund erwächst. Es fehlen bezahlbare Wohnungen für die eigene Bevölkerung. Oftmals werden frei werdende Wohnungen von Investoren aufgekauft, abgerissen und die Grundstücke mit Ferienwohnungen bebaut.

„Das ist eine ganz alte Problematik, die wir schon seit Jahrzehnten kennen – die sich aber seit der Finanzkrise zuspitzt, weil jetzt alle in das sogenannte Betongold flüchten wollen“, sagt Frank Ulrichs, Bürgermeister der 5900-Einwohner-Insel Norderney. „Gerade, wenn es um die Anwerbung festländischer Arbeitnehmer geht, fragen die als erstes: Habt ihr denn auch eine Wohnung für uns?“ Norderney hat immerhin noch 700 Wohnungen im eigenen Bestand. „Die haben wir über Jahre angekauft, etwa von der Neuen Heimat oder dem Bund.“ Allerdings gebe es absolut keinen Leerstand, sondern lange Wartelisten für die Wohnungen auf der Insel.

Auf den Nachbarinseln ist die Lage noch zugespitzter. „Wir haben lediglich zehn auf dem freien Markt verfügbare Wohnungen“, sagt Matthias Piszczan, Bürgermeister der 700-Einwohner-Gemeinde Spiekeroog. Das Verbot, Mietwohnungen einfach in Eigentumswohnungen umzuwandeln, werde durch ein Schlupfloch umgangen – das sogenannte Bruchteilseigentum, bei dem keine einzelnen Wohnungen verkauft werden, sondern Anteile am ganzen Mehrfamilienhaus. „Das ist das Dilemma.“

Die Landesregierung hat am Dienstag auf die Klagen der Bürgermeister der ostfriesischen Inseln reagiert und per Kabinettsentscheid eine Bundesratsinitiative beschlossen. Sie zielt auf eine Änderung des Baugesetzbuches ab, das eigentlich auch Inselgemeinden eine Mitsprache bei Wohnungsverkäufen geben wollte. „Dafür, dass das Bruchteilseigentum wegfällt, kämpfen wir schon lange“, sagt Inselbürgermeister Ulrichs. Gut, dass das in Hannover aufgegriffen worden sei.

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