Unterschlagung

Sparkassenchef betrog jahrelang Kunden

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Auch nach seiner Pensionierung ging die Unterschlagung weiter. Verdacht schöpfte nie jemand, nur durch Zufall flog alles auf.

Aurich - Über Jahrzehnte hat ein früherer Filialleiter einer Sparkasse in Ostfriesland seine Kunden betrogen. Auch nach seiner Pensionierung ging die Unterschlagung weiter. Verdacht schöpfte nie jemand, nur durch Zufall flog alles auf.

Er galt im Ort als hochangesehener Mann - und hat das in ihn gesetzte Vertrauen schmählich missbraucht: Knapp 30 Jahre lang hat der Leiter einer kleinen Sparkassenfiliale in Ostfriesland seine Kunden mit getürkten Anleihen um insgesamt 370000 Euro betrogen. Auch nach seiner Pensionierung im Jahr 2005 habe er weitergemacht, sagte Steffen Koletschka, Pressesprecher der Sparkasse Aurich-Norden gestern. Insgesamt wurden elf Kunden von dem Filialleiter betrogen, in einem Fall ging es um 89000 Euro.

Sämtliche Geschäfte seien in bar abgewickelt worden, sagte der Sparkassensprecher. Konten habe der inzwischen 71-jährige frühere Bankchef tatsächlich nie eröffnet, sondern das Geld privat ausgegeben. Seinen Kunden habe er täuschend echt aussehende Kontoeröffnungsformulare und -auszüge geschickt. Teils habe er die Unterlagen gefälscht, teils aber auch entwendete Formulare der Bank benutzt. Skeptisch seien die Betrugsopfer nicht geworden, sagte Koletschka. „Dazu hatten sie auch keinen Grund.“ So seien den Kunden keine überhöhten Zinsen versprochen worden. Wenn jemand sein Geld zurückwollte, habe der Filialleiter ihm einfach die Bareinlagen von anderen Betrugsopfern ausgezahlt. Seine Betrügereien seien nach einem Schneeballsystem organisiert gewesen. Da die Anleihen eine Kündigungsfrist von sechs Monaten hatten, sei der 71-Jährige auch nie in Geldnot gekommen.

Aufgeflogen war die jahrelange Unterschlagung, weil eine Kundin in der Filiale nach einem Konto fragte, das es gar nicht gab. Der Ex-Filialleiter hat den Betrug inzwischen eingeräumt. Für die Sparkasse Aurich-Norden sei es keine Frage gewesen, dass sie für die Entschädigung der Opfer aufkommt, sagte Koletschka: „Die Kunden haben der Sparkasse vertraut, auch wenn sie gar nicht wirklich hinter dem Fall steckte, und sie sollen uns auch weiterhin vertrauen.“ Die Bank hat jetzt Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft gestellt.

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