Klinikum Braunschweig

Sprachkurs für ausländische Ärzte

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Foto: Das Klinikum Braunschweig bietet seinen ausländischen Ärzten Sprachkurse an.

Braunschweig - Zucker, Hexenschuss und Hühnerauge – ein spezieller Sprachkurs hilft ausländischen Ärzten und Pflegern im Braunschweiger Klinikum den teils verwirrenden deutschen Begriffen auf die Spur zu kommen.

Wie Umbilicalhernie zu behandeln ist, wissen alle 510 Ärzte im Klinikum Braunschweig. Doch was will ein Patient, wenn er einen Nabelbruch hat? Und was haben ein Hühnerauge, ein Nagelbett, ein Schlüsselbein oder gar ein Hexenschuss in einem Krankenhaus zu suchen? Für Deutsche sind die umgangssprachlichen Begriffe selbstverständlich, für ausländische Ärzte und Pfleger aber oft verwirrend – ein spezieller Sprachkurs soll in Braunschweig Abhilfe schaffen.

Der erste Eindruck von Deutschland war für die Ärztin Fatima Musa nicht gerade aufbauend. Die 35 Jahre alte Muslimin aus dem Sudan begann 2009 in Greifswald an einer Klinik als Hospitantin zu arbeiten. „Danach hatte ich wenig Hoffnung, mit Kopftuch und den sprachlichen Barrieren eine Arbeit zu finden“, erinnert sie sich. Doch im Klinikum Braunschweig, wie in anderen Kliniken auch, sind Ärzte gesucht.

Rund zehn Prozent der Mediziner in Niedersachsens zweitgrößter Klinik kommen aus China, Syrien, Russland, Sudan oder einem anderen Land. „Es gibt eine Welle ausländischer Ärzte, die nach Deutschland wollen und die hier auch gebraucht werden“, sagt Professor Peter Werning, Leiter der Anästhesie. Das gelte nicht nur für Klinikärzte, auch für niedergelassene Mediziner.

„Uns ist klar, fachlich sind die Kollegen gut, aber sprachlich müssen wir noch was tun“, sagt Werning. Vor diesem Hintergrund hat das Klinikum Braunschweig als eines von wenigen Krankenhäusern in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule (VHS) spezielle Sprachkurse für die ausländischen Beschäftigten entwickelt.

„Es gibt kaum einen Beruf, wo die Sprache so wichtig ist. Feinheiten müssen sofort erkannt werden“, erläutert VHS-Leiter Hans-Peter Lorenzen. Ein von Medizinern falsch verstandenes Wort kann schließlich fatale Folgen haben. Die für eine Arbeitserlaubnis notwendigen Grundkurse seien für den Alltag im Krankenhaus nicht ausreichend.

Mit Gudrun Nickel konnten Klinikum und VHS nicht nur eine erfahrene Deutschlehrerin finden, sie ist auch examinierte Krankenschwester. „Nicht nur einzelne Bezeichnungen, auch Abkürzungenmüssen im Klinik-Alltag allen geläufig sein“, sagt sie.

Ein allgemeiner Sprachkurs ist für viele Ärzte auch schon allein wegen der Arbeitszeiten schwierig zu besuchen. Den Schichten angepasst bietet das Klinikum an 80 Abenden und an Samstagen ihren Kurs an. „Das Konzept interessiert auch andere Kliniken, wir haben mehrere Anfragen“, sagt Professor Werning.

dpa

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