Wölfe in Niedersachsen

Die Spur führt in den Kindergarten

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Foto: Frisst weder Rotkäppchen, noch andere Kinder: Der Wolf breitet sich in Niedersachsen weiter aus.

Lüneburg - Der böse Wolf war gestern. Um Kindern und Eltern die Angst vor der Rückkehr der Wölfe nach Niedersachsen zu nehmen, starten Umweltschützer und Jäger zusammen mit dem Land eine Informationskampagne in Kindergärten und Schulen. Erst in Lüneburg, später im ganzen Land.

Bei Eltern ist die Angst oft größer als bei Kindern - nach Medienberichten über einen Wolf in der Heide habe es sehr viele besorgte Anrufe im Umweltbildungszentrum „SCHUBZ“ Lüneburg gegeben, berichtet Leiter Frank Corleis. „Das Bild des bösen Wolfes, der das Rotkäppchen frisst, ist immer noch tief verankert.“ Damit Menschen nicht mit Panik, sondern mit Gelassenheit auf die Rückkehr der Wölfe nach Niedersachsen reagieren, startet das Lüneburger Umweltbildungszentrum zusammen mit der Landesjägerschaft jetzt eine Informationskampagne in 20 Lüneburger Kindergärten und Schulen. „Wölfen auf der Spur“ heißt das 280.000 Euro teure Projekt, das größtenteils von der niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung gefördert wird. Im kommenden Jahr soll es auf das ganze Land ausgedehnt werden.

Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) findet das Programm „wegweisend“. Ziel sei eine unvoreingenommene, sachliche Auseinandersetzung mit dem Wolf als Wildtier. Es gebe altersgerechte Angebote für die Kinder vom Maskenbasteln und Spurenlesen bis hin zu Rollenspielen und Diskussionsrunden, bei denen Schüler sich etwa in die Lage von Schäfern hineinversetzten. Auch Fortbildungen für Lehrer und Erzieher sind geplant. Das Projekt wird von der Leuphana Universität wissenschaftlich begleitet. Besuche in Zoos oder Tierparks, in denen Wölfe gehalten werden, gehören dazu. Wichtig sei es aber, dass die Kinder zwischen dem Verhalten von Wölfen in freier Wildbahn und in Gefangenschaft unterscheiden lernten, sagt Projektleiter Corleis.

„SCHUBZ“ organisiert die Kampagne zusammen mit der Landesjägerschaft, die seit zwei Jahren im Auftrag des Umweltministeriums generell ein Auge auf die Rückkehr der Wölfe nach Niedersachsen hat. „Neben Hege und Pflege des Wildes ist auch Information und Aufklärung der Bevölkerung unsere Aufgabe“, betont Jägerpräsident und CDU-Landtagsabgeordneter Helmut Dammann-Tanke. Derzeit sei in Niedersachsen die Existenz von zwei Wölfen bestätigt, sagt die Wolfsbeauftragte Britta Habbe: Seit April 2011 hält sich eine vermutlich zweijährige Wölfin, eine sogenannte Wolfsfähe, auf dem Truppenübungsplatz Munster (Heidekreis) auf. Sie soll auch schon mit einem Gefährten gesichtet worden sein. Zudem gibt es seit Herbst 2011 einen Wolf im Wendland.

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