Hells Angels

Spurensuche in Kiel geht weiter

- Seit vier Wochen sucht die Polizei nun in einer Lagerhalle in Kiel nach einer Leiche. Frank Hanebuth soll den Mord beauftragt haben

Seit gut vier Wochen suchen die Ermittler des Landeskriminalamts in Schleswig-Holstein eine Lagerhalle in Kiel ab. Dort soll, so hat es zumindest Kronzeuge Steffen R. den dortigen Behörden ausgesagt, eine Leiche einbetoniert worden sein. Finden sie den Toten, könnte das schwerwiegende Folgen für führende Mitglieder der inzwischen verbotenen Kieler Hells Angels aber auch für Hannovers einstigen Rockerchef Frank Hanebuth haben. Finden sie in der Halle keine menschlichen Überreste, droht eine große Blamage.

„Bislang haben wir in der Halle noch nichts gefunden, aber die Suche dauert noch an“, sagte Staatsanwalt Michael Bimmler gestern. Zum Stand der übrigen Ermittlungen in diesem Verfahren wollte er keinerlei Angaben machen. „Ich kann nur noch sagen, dass es beim Schwurgericht eine Beschwerde gegen die Haftbefehle gibt, die vor vier Wochen vollstreckt worden sind“, so der Behördensprecher weiter. Steffen R., ehemaliges Mitglied bei der den Hells Angels nahestehenden Gruppierung „Legion 81“, ist vor Kurzem in Kiel zu einer Haftstrafe von vier Jahren und vier Monaten verurteilt worden. Der Richterspruch fiel deshalb vergleichsweise milde aus, weil der 40-Jährige zuvor umfassend sein Wissen über die Hells Angels ausgebreitet hatte.

In seinen Aussagen belastete er Frank Hanebuth schwer. Der soll, so hat es R. zu Protokoll gegeben, die Tötung des Zuhälters Tekin Bicer vor zwei Jahren in Auftrag gegeben haben. Der Leichnam des Türken soll ins Fundament der Lagerhalle in der Nähe von Kiel einbetoniert worden sein. Hanebuth soll nach den Aussagen von Steffen R. gemeinsam mit seinem langjährigen Freund, dem Präsidenten des Kieler Charters der Hells Angels, entschieden haben, dass zwei Mitglieder des Rockerklubs als Lohn für die Ermordung von Tekin Bicer neue Klubs der Höllenengel gründen dürfen: einen im polnischen Poznan und einen weiteren in Hamburg. Hanebuth streitet die Vorwürfe vehement ab. Er kenne weder den Türken noch den Kronzeugen. Die Aussagen wertet er als Teil einer Verleumdungskampagne, die seit Langem gegen ihn laufe. Den Kieler Ermittlungsbehörden reichten diese Aussagen in Kombination mit selbst gewonnenen Erkenntnissen aus, um einen Durchsuchungsbeschluss zu beantragen. Vor gut vier Wochen um kurz nach 5 Uhr seilten sich Beamte der Spezialeinheit GSG 9 von einem Hubschrauber aus auf Hanebuths Grundstück in Bissendorf-Wietze ab. Sieben Stunden lang durchsuchten sie akribisch alle Räume des alten Backsteingebäudes, nahmen anschließend Handys, Laptops, Unterlagen und Fotoalben mit. Unklar ist bislang, ob den Fahndern dabei belastendes Material gegen den 47-jährigen Höllenengel in die Hände gefallen ist.

Hanebuths Rechtsanwälte haben inzwischen einen Teil der Ermittlungsakten in diesem Verfahren einsehen können. Dennoch wollen sie zunächst das Ergebnis der Suche in der Lagerhalle abwarten, bevor sie ihrerseits über rechtliche Schritte nachdenken. Dabei geht es möglicherweise sowohl um Schadensersatzforderungen als auch um den Vorwurf der Verleumdung.

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