Protest gegen Kinderschänder

Staatsanwalt droht Facebook-Pöblern

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Foto: Der via Facebook befeuerte Aufruhr in Drispenstedt dauert an. Deshalb hat die Staatsanwaltschaft Hildesheim eine Arbeitsgruppe gegründet.

Hildesheim - Im Fall des aus der Haft entlassenen Kinderschänders kommt Hildesheim-Drispenstedt nicht zur Ruhe. Jetzt meldet sich die Staatsanwaltschaft zu Wort: Man werde Selbstjustiz der Nachbarn nicht dulden. Die kündigten für Sonntag eine Demonstration an.

Obwohl der 45-Jährige sich laut Polizei nicht in der Stadt aufhält, brodelt bei Facebook weiter die Gerüchteküche. Am Sonntag soll es eine Demonstration gegen den Mann geben. Seine Mutter, die im Ort wohnt, hat aus Angst ihre Wohnung verlassen und bei Angehörigen Schutz gesucht. Unbekannte haben das Haus dennoch mit Eiern beworfen. Die Staatsanwaltschaft Hildesheim hat deshalb jetzt eine harte Gangart gegen verbalen und tatsächlichen Krawall angekündigt.

„Wir werden es nicht dulden, dass hier der Straßenpöbel Selbstjustiz übt“, sagt Oberstaatsanwalt Bernd Seemann. Weil der via Facebook befeuerte Aufruhr in Drispenstedt andauere, habe die Staatsanwaltschaft Hildesheim eine Arbeitsgruppe gebildet und einen Sonderdezernenten auf den Fall angesetzt. Nach den Übergriffen - dazu zählt auch, dass eine wütende Menge eine alte Frau aus ihrer Wohnung klingelte - prüft die Anklagebehörde laut Seemann eine ganze Reihe von strafrechtlichen Vorwürfen. Dazu gehören neben Volksverhetzung auch Landfriedensbruch, Beleidigung, Verleumdung und die Verletzung des Rechts am eigenen Bild. Wie berichtet, war das Foto des verurteilten Kinderschänders bei Facebook hochgeladen und verbreitet worden. Der Mann war im November 2008 vom Landgericht zu sechs Jahren Haft verurteilt worden, weil er seine Stieftöchter missbraucht hatte. Nach fünf Jahren und drei Monaten kam er jetzt zur Bewährung wieder auf freien Fuß.

von Christian Wolters

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