Saupark

Staatsjagd in Springe ohne Promis

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Nur besonders kundige Jäger sollen in Springe zum Zuge kommen.

Springe - Die offizielle Staatsjagd im Saupark Springe ist abgeblasen, gejagt wird auf dem Gelände aber trotzdem noch - von versierten und ehrenamltich engagierten Jägern, nicht mehr von Politikern.

Bald ist es wieder soweit: Jäger und Treiber sammeln sich im Saupark Springe, um dort in großer Zahl vor allem dem Schwarzwild zu Leibe zu rücken. Doch diesmal ist es ein wenig anders. Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) hat im August die bisher vom Land veranstaltete - und finanzierte - Staatsjagd abgeblasen, die auf „hochherrschaftlichen Riten“ beruhe. So wird bei den bevorstehenden „Beunruhigungsjagden“ (bei denen das Wild aufgescheucht wird) die Gästezahl zwar nach Angaben des Forstamtes mit rund 70 gleich sein. Fehlen aber werden der Minister und weitere Prominenz.

Joachim Hansmann, regionaler Sprecher der Landesforsten in Springe, zeigt sich über das Ende der Staatsjagd nicht unglücklich. Ausschließlich „versierte“ Jäger sollen nun dafür sorgen, dass der Wildbestand reguliert wird. Ein Jagdschein war zwar immer Voraussetzung fürs Schießen bei der Staatsjagd. Doch es konnte wohl vorkommen, dass auch solche Politiker oder Wirtschaftsvertreter zur Büchse griffen, die selten auf die Pirsch gingen und nicht sehr treffsicher waren. Diesmal, am ersten Dezember- und ersten Januarwochenende, sollen mehr Förster und Jäger aus Nachbarrevieren kommen, sagt Hansmann. „Wir laden auch Kreisjägermeister und andere Ehrenamtliche ein, die sich etwa bei der Jungjägerausbildung besonders engagieren.“ Zum Dank, denn die Mauerparkjagd sei ein beliebtes „Event“.

Die Beute, die zum Abschluss im Fackelschein auf der Wiese am Jagdschloss ausgelegt wird, wird allerdings in Zukunft geringer ausfallen - pro Termin konnten es schon mal mehr als 150 Wildschweine sein. Die Landesforsten als Eigentümer haben sich mit dem Ministerium darauf verständigt, Wildschweine, Damwild und Muffelwild in Springe in den nächsten Jahren um ein Drittel zu reduzieren. Das soll aber vor allem durch häufigere Einzeljagden geschehen.

Die Maßgabe „weniger Wild“ dient dem Naturschutz, unter anderem der Bäume vor Verbissschäden. Ein anderes Anliegen von Minister Meyer, der Verzicht auf bleihaltige Munition, bleibt diesmal in Springe noch außen vor. Da im Fleisch zurückgebliebenes Blei für Menschen gesundheitsschädlich und für Beutegreifer wie Seeadler sogar tödlich sein kann, ist vom 1. April 2014 an im Landeswald nur noch „bleifrei“ erlaubt. Bei Jägern ist die Verordnung äußerst umstritten - es sei nicht gesichert, dass die sofortige tödliche Wirkung der Munition vergleichbar ist. Die Industrie sei damit noch nicht so weit, meint auch Forstamtsleiter Joachim Menzel in Springe. „Ich freue mich, dass wir eine Übergangsfrist haben“, sagt er.

Wer den Staatsjagden nachtrauert, zu denen einst das Welfen- und später das Kaiserhaus einlud, kann sich an diesem Sonntag zum „Naturum Göhrde“ (Kreis Lüchow-Dannenberg) aufmachen. Das Waldmuseum feiert den 100. Jahrestag der letzten kaiserlichen Jagd. In historischen Kostümen tritt zu Jagdhornklängen der Verein „Der Kaiser kommt“ auf.

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