Provinzposse

Der Stein des Anstoßes ist weg

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Poller versperren weiterhin die Zufahrt zum Alten Fischereihafen.

Cuxhaven - Der Alte Fischereihafen ist in Cuxhaven eine Touristenattraktion. Doch den Weg zum Kai versperrte seit gut einem Jahr ein hoher, hässlicher Bauzaun. Proteste dagegen hatten Erfolg.

„Zaun des Anstoßes“ nannten ihn die Küstenbewohner, die gelegentlich in kleinen Protestgruppen vor die Metallgitter zogen und Rufe ausstießen, wie man sie sonst nur aus der DDR kannte: „Der Zaun muss weg“. Ende August protestierten sogar Frauen vor dem Bauzaun, an den sie Büstenhalter hefteten - als Protestnote.

Die vielen Proteste hatten Erfolg. Mittlerweile ist der Zaun abgebaut. Dafür ist der Alte Hafen abgepollert - mit schweren Eisenankern und Ketten versehen. Doch die ganze Aktion ist vermutlich vergebens. Denn die Kaianlagen des Alten Hafens sind nicht akut einsturzgefährdet wie die Hafengesellschaft „N-Ports“ behauptet hatte. Das niedersächsische Wirtschaftsministerium, als Aufsicht zuständig für „N-Ports“, spricht von einer „unschönen Geschichte, die Folgen haben wird.“ Es handelt sich um eine Posse.

Sie begann Anfang August vergangenen Jahres mit einem Gutachten, das für große Teile der Hafenmauer „akute Einsturzgefahr“ prognostizierte. „Massive Schäden insbesondere im Wasserwechselbereich der Stahlbetonspundwand“, beklagte ein Geschäftsführer von „N-Ports“. Der Hafen wurde abgesperrt, sehr zum Ärger der Kutterfischer, die schon nach ein paar Tagen den Zaun wieder entfernten, weil sie an ihren angestammten Liegeplätzen bleiben wollten. Die Proteste nahmen zu, irgendwann schaltete sich auch die Landespolitik ein, schließlich liegt Cuxhaven im Wahlkreis des Ministerpräsidenten, ein zweites Gutachten wurde bestellt. Und siehe da: Die Einsturzgefahr besteht nicht mehr, Verkehrsminister Jörg Bode verkündete das über die „Cuxhavener Nachrichten“ der Öffentlichkeit.

Das erste Gutachten sei „einzig und allein mit einer ersten Inaugenscheinnahme“ begründet, jetzt habe man Probebohrungen vorgenommen und genauere statische Untersuchungen. „Das war auch für uns überraschend“, sagte gestern eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Hannover. Nun ist die Einsturzgefahr weg, auch der Zaun, aber die Poller sind noch da. Und viele Fragen. Die Grüne Landtagsabgeordnete Elke Twesten wittert ein fieses politisches Spiel, welches „N-Port“ initiiert habe. Man habe bewusst den Protest geschürt, um Geld für die Seehäfen herauszuschlagen. Unsinn, kontert das Wirtschaftsministerium. Der Linken-Chef Manfred Sohn verlangt unterdessen Regress für die Kutterfischer. Auch die Linke, immerhin, nahm Anstoß an dem Zaun.

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