Landtagswahl

Stephan Weil auf Schnupperkurs in Berlin

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„Geschlossenheit und ein ordentliches Programm“: Ministerpräsidentin Kraft gibt dem Kandidaten Weil gute Ratschläge.

Berlin - Noch ist er nur Ministerpräsidentenkandidat, in Berlin hat sich der hannoversche Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) aber trotzdem schon mal vorgestellt. Mit dabei waren SPD-Größen wie Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier.

Da sitzt er nun in Berlin, der SPD-Ministerpräsidentenkandidat Stephan Weil als Weltkind in der Mitten - zwischen Sigmar Gabriel, dem SPD-Bundesvorsitzenden, und Frank-Walter Steinmeier, dem SPD-Bundestagsfraktionschef. Er kenne die beiden ja noch aus Hannover, sagt Weil. Den Gabriel aus einer „Art Talentschuppen“, den der frühere SPD-Landesvorsitzende Joke Bruns aufgemacht habe. „Du bist damals noch im blauen Hemd der Falken aufgetreten.“ Und „den Frank“ aus der hannoverschen Staatskanzlei, die der einst leitete. Man kennt sich, man schätzt sich. Und deshalb kommen die beiden SPD-Altvorderen auch gerne zum Pressefrühstück mit dem Kandidaten Weil, der recht zurückhaltend zwischen diesen beiden Alphatieren wirkt.

Damit es ganz klar ist - „die 100.000-Dollar-Frage“ werde mit Sicherheit heute nicht beantwortet werden, sagt Weil zur Einführung. Er meint die leidige Kanzlerkandidatenfrage, die die SPD-Spitze erst nach der Niedersachsenwahl am 20. Januar 2013 klären will. Auch wenn gewiss keine 100.000 Dollar Preisgeld auf den SPD-Kanzlerkandidaten ausgesetzt werden muss, soll die K-Frage die Laune der Wahlkämpfer in Niedersachsen nicht trüben.

Selbst die Frage, ob es für die Niedersachsen-SPD denn hilfreich sei, dass die Bundespartei immer noch nicht weiß, wen sie im kommenden Jahr gegen eine überaus populäre Bundeskanzlerin antreten lassen will, ist für den SPD-Vorsitzenden eine Frage zu viel. Da lässt er sich spaßhaft sogar einen Feigling nennen: „Das kratzt mich nicht.“

Dafür gibt sich Gabriel sicher, dass Weil der künftige Ministerpräsident sein werde, weil dem Amtsinhaber David McAllister mit dem Niedergang der FDP der Partner abhanden kommen werde. Der Kanzlerin in Berlin gehe es nicht anders. Selbst wenn die SPD nur zweistärkste Partei im Lande werden sollte, hat sie in Gabriels Augen eine reale Machtposition. „Eine Regierung in Niedersachsen ohne Beteiligung der SPD wird es nicht geben“, sagt auch der Kandidat Weil, der von einem „sehr regionalisierten Wahlkampf“ spricht, bei dem Landtagsthemen im Mittelpunkt stehen sollten. „Der Versuch, es als eine verkappte Kanzlerwahl erscheinen zu lassen, wird nicht fruchten.“

So halten sich alle Gesprächspartner Weils an den offiziellen Ratschluss, jetzt bloß nicht über die Kanzlerkandidatenfrage zu philosophieren - auch wenn die CDU auf einem Bundesparteitag in Hannover im Dezember Angela Merkel als erfolgreiche Staatenlenkerin präsentieren wird. „Die Medienbilder für ein, zwei Tage können wir schon verkraften“, meint Weil bei einem Treffen mit Hannelore Kraft. Die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen pflichtet ihm an diesem Punkt bei. „Die Leute wissen schon zu unterscheiden zwischen einer Landtags- und einer Bundestagswahl.“ Das allerwichtigste Rezept für einen erfolgreichen Wahlkampf sei Geschlossenheit und eine ordentliche Programmatik, gibt die Frau aus Düsseldorf noch zu Protokoll.

Während Weil in seinem Gespräch mit Steinmeier und Gabriel sehr zurückhaltend auftritt, blüht der Kandidat bei dem Treffen mit der stellvertretenden SPD-Bundesvorsitzenden Aydan Özoguz geradezu auf und gibt fast eine Art Regierungserklärung ab. Er werde die Integrationspolitik in der Staatskanzlei bündeln, „für ein ganz anderes Klima“ sorgen, nächtliche Abschiebungen möglichst vermeiden. Nur zur Frage, ob Özoguz, die freundliche Bundestagsabgeordnete aus Hamburg, möglicherweise in Weils „Schattenkabinett“ auftauchen werde, fällt beiden nichts ein. „Das hat er mich noch nicht gefragt“, sagt die verdutzte Hamburgerin und lacht.

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