Atommüll

Stephan Wenzel stößt in Gorleben auf Misstrauen

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Foto: Am Mittwoch besuchte der neue Umweltminister Stefan Wenzel Gorleben.

Gorleben - Den Ort kennt Stefan Wenzel allzu gut - es ist ein grüner Wallfahrtsort. Als Oppositionspolitiker war er schon oft in Gorleben. Doch anders als früher steht er nun in der Regierungsverantwortung, kommt als neuer Umweltminister ins Erkundungsbergwerk.

Und in der neuen Rolle schlägt Wenzel Skepsis von den einstigen Bündnisgenossen im Kampf gegen das potenzielle atomare Endlager entgegen - auch wenn die üblichen plakativen Proteste zunächst ausbleiben.

Erste Kritik kommt vom Betriebsrat des Erkundungsbergwerks. Der nämlich fürchtet um die rund 160 Arbeitsplätze und hält Wenzel seine Aussage vor, Gorleben sei erwiesenermaßen ungeeignet und müsse deshalb aufgegeben werden. „Minister reden mit allen, die lautstark schreien, und zeigen keine Solidarität mit denjenigen, die sachlich und objektiv an einer Lösung arbeiten“, klagt der Betriebsratsvorsitzende Peter Ward. Wenzel dagegen warnt vor einer Verquickung beider Fragen und stellt ein Treffen mit den besorgten Mitarbeitern in Aussicht.

Dem Betriebsratsvorsitzenden drückt er seine Visitenkarte in die Hand. Doch Peter Ward bleibt skeptisch nach der ersten Begegnung. „Uns geht es nicht nur um die Arbeitsplätze, sondern, auch wenn es pathetisch klingt, auch um die Wahrheit“, sagt Ward der HAZ. Fachleute hielten Gorleben sehr wohl für geeignet als mögliches Endlager.

Herausforderung Nummer zwei steht in einer Gaststätte im Örtchen Dünsche an: ein Treffen mit den örtlichen Bürgerinitiativen. „Wir werden ihn mit der Anrede ,Sehr geehrter Herr Minister‘, aber auch mit ,Lieber Stefan‘ begrüßen“, sagt Wolfgang Ehmke von der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg. Denn man glaube Wenzel schon, dass er das Lager Gorleben verhindern wolle, doch allein werde ihm das nicht gelingen. Deshalb rollten auch einige Trecker der Anti-Gorleben-Initiative an.

Die Atomkraftgegner aus dem Wendland fürchten Kompromisse, die ihren Interessen entgegenstehen und das Suchgesetz letztlich zum „Gorleben-Legalisierungsgesetz“ machen. Nicht jeder im Wendland jubelt daher automatisch über die Wahl des grünen Umweltministers. „Ich erinnere mich noch gut, wie wir im Oktober 1990 Gerhard Schröder hier hatten. Der hatte auch versprochen, Gorleben zu beenden“, sagt Wolfgang Ehmke. Sein Kollege Lennart Müller lässt kein gutes Haar an dem Endlagersuchgesetz, das Klagemöglichkeiten aushebele und auch ohne Gorleben „einfach nicht funktioniert“.

So sieht sich Stefan Wenzel an diesem Tag in Gorleben zwischen zwei Fronten von Skeptikern - hier der Betriebsrat des Erkundungsbergwerks, dort die Anti-Atom-Initiative.

von Ralf E. Krüger und Michael B. Berger

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