Medizinermangel

Stipendien sollen junge Ärzte aufs Land locken

+
Foto: Die ländlichen Regionen leiden zunehmend an einem Ärztemangel - jetzt soll mit Stipendien gegengesteuert werden.

Diepholz - Noch gibt es genug Ärzte in Niedersachsen, aber von 2020 an droht nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung ein Medizinermangel auf dem Land. Einige Kreise versuchen, dem jetzt schon entgegenzuwirken. Sie locken angehende Ärzte mit Stipendien aufs Land.

Mit Stipendien für Medizinstudenten wollen die Kreise Diepholz und Leer dem drohenden Ärztemangel entgegenwirken. Deshalb unterstützen sie die angehenden Mediziner mit monatlichen Zahlungen von rund 400 Euro. Die Studenten verpflichten sich im Gegenzug, nach ihrem Abschluss bis zu drei Jahren in Leer und bis zu vier Jahren in Diepholz die Patienten zu versorgen.

Der Kreis Leer vergibt die Medizinstipendien seit 2011 und unterstützt derzeit fünf Studenten. Die ersten könnten schon in zwei Jahren einsatzbereit sein, denn sie haben ihr Studium schon vor der Förderung begonnen, sagte Sprecherin Maike Duis

Diepholz hat das Programm nach dem Vorbild aus Leer in diesem Jahr eingeführt. 14 angehende Mediziner aus der Region bewarben sich in der ersten Runde. „Wir hatten mit etwas mehr gerechnet“, sagte der Sprecher des Landkreises Diepholz, Stefan Hempe. „Aber viele haben sicher etwas Angst, sich auf einen Ort festzulegen.“ Der Landkreis sei aber bereit, acht Studenten zu fördern. Unterstützung bekommen sie für zwölf Semester.

Derzeit ist das Land Niedersachsen noch gut mit Medizinern versorgt, aber von 2020 an droht vor allem in den ländlichen Regionen ein Ärztemangel. Besonders bei den Hausärzten werde es eine Lücke geben, aber auch Gynäkologen,Kinderärzte und Psychotherapeuten würden fehlen, sagte der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, Uwe Köster. Grund dafür sei, dass viele Ärzte in den Ruhestand gehen, ohne dass es einen Nachfolger gebe. Die Stipendien hält er deshalb für sinnvoll, um diese Entwicklung aufzufangen.

Doch nicht nur die Kreise, auch das Land selbst reagiert auf den drohenden Ärztemangel. Seit 2010 erhalten Mediziner in Bezirken, wo es nicht genug Ärzte gibt, bis zu 50.000 Euro finanziellen Zuschuss für eine Praxisgründung. Außerdem unterstützt das Land junge Mediziner, die ihr praktisches Jahr in der Allgemeinmedizin absolvieren, mit bis zu 2400 Euro. „Wir wollen mit unseren Maßnahmen langfristig eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung sichern, damit die Menschen kurze Wege zum Arzt ihres Vertrauens haben“, sagte Niedersachsens Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU).

dpa

Kommentare