Uni-Projekt in Niedersachsen

Studenten helfen Flüchtlingen als Paten

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Helin Kassem (v. li.) Laila Kasem aus Syrien sowie Iman Ziaudin aus Afghanistan im Hörsaal in Hildesheim.

Hildesheim - Zusammen geht es leichter: In Hildesheim und an anderen Hochschulen in Niedersachsen helfen hiesige Studenten Flüchtlingen bei den ersten Schritten in den Hörsaal. Etliche Asylbewerber sind gut ausgebildet und wollen gerne weiterstudieren. Am Montag wurde das Projekt in Hildesheim vorgestellt.

Mit einer Patenschaft sollen Studenten der Hochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen (HAWK) Flüchtlingen den Studieneinstieg erleichtern. Über den Kontakt zu einheimischen Studenten sollen die Flüchtlinge Sprache und Kultur kennenlernen und als Gasthörer in geeignete Fächer hereinschnuppern, sagte HAWK-Präsidentin Christiane Dienel bei der Vorstellung des Projekts am Montag in Hildesheim. „Unser Ziel ist, Asylsuchende, die die Voraussetzungen mitbringen, auf dem Weg in das Studium zu unterstützen und ihnen zu einem gelingenden Studium zu verhelfen.“ Das Wissenschaftsministerium fördert das Projekt.

„Wir sollten Flüchtlinge nicht als Last betrachten, sondern die Chancen nutzen, die sich für beide Seiten bieten“, sagte Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Klajic (Grüne). „Es kommen viele hoch qualifizierte junge Menschen zu uns; viele haben bereits ein Studium begonnen oder Berufserfahrung.“ Diese brauchten passende Bildungschance, damit sie nicht die Motivation und ihre Qualifikation verlören, sagte die Ministerin.

In Hildesheim können hiesige Studenten im Rahmen eines Sprach-Tandems einem Flüchtling Deutsch beibringen, während sie von ihm Arabisch lernen. Für ihr Engagement werden sie dabei auch mit Punkten für ihren Studienfortschritt, den sogenannten Credits, belohnt. Auch Flüchtlinge, die zunächst als Gasthörer mit im Hörsaal sitzen, erhalten dafür Punkte gutgeschrieben. Die Expertise von Asylbewerbern, die als Gasthörer mit dabei sind, macht die Hochschule sich bereits bei ihrem im Sommer diesen Jahres eingeführten Sprachangebots für Arabisch zunutze. Als sogenannte Native Speaker (Muttersprachler) stehen sie den deutschen Sprachstudenten zur Seite.

Das Wissenschaftsministerium erleichtert Flüchtlingen seit Juni bereits den Einstieg in ein Hochschulstudium. Auch wenn diese Zeugnisse aus ihrem Heimatland aufgrund ihrer Flucht nicht vorlegen können, wird ihnen bei ausreichenden Deutschkenntnissen der Studieneinstieg ermöglicht. Vom Ministerium unterstützt werden Deutschkurse für studieninteressierte Flüchtlinge in Hannover, Göttingen, Lüneburg, Oldenburg und Osnabrück. Für besonders begabte Flüchtlinge gibt es auch Stipendien. Neben der HAWK setzen sich auch andere Hochschulen für Studienerleichterungen für Flüchtlinge ein.

dpa

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