Peinliche Panne

SEK stürmt falsche Wohnung

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Foto: Eine Spezialeinheit der Polizei hat im niedersächsischen Rollshausen versehentlich eine falsche Wohnung gestürmt.

Duderstadt - Eine spektakuläre Polizeipanne hat sich in der vergangenen Woche im Untereichsfeld bei Duderstadt ereignet. Erst stürmte ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei in der Gemeinde Rollshausen eine falsche Wohnung und fesselte den Mieter mit Kabelbindern, dann nahm sie sich die zweite Wohnung ein Stockwerk darunter vor - und ging auch hier mit großer Härte vor.

Äußerst brutal sei das Spezialeinsatzkommando (SEK) vorgegangen, berichten Jens Hoffmeister und Sarah Schultz dem „Eichsfelder Tageblatt“. Ihre Wohnung haben die Beamten in der Nacht zu Donnerstag gestürmt. Hoffmeister trug mehrere Verletzungen davon, seine Tochter Jannicka (19) und Lebensgefährtin Schultz sind traumatisiert. Die Polizei spricht von einer „gefährdungsausschließenden Vorgehensweise“.

In der Nacht zu Donnerstag war ein SEK aus Hannover an der Ziegeleistraße in der Gemeinde Rollshausen angerückt - und stürmte zunächst die Wohnung Stefan Meiers und seiner Frau Ilona (Namen von der Redaktion geändert), ein falsches Zielobjekt wie sich schnell herausstellte. „Das war wie im Krimi – schlimmer“, sagt Stefan Meier, den der nächtliche Überfall schockierte. Nachts um 1 Uhr sei gegen die Tür gehämmert und diese aufgebrochen worden. Sechs bis sieben vermummte Männer seien in das Schlafzimmer gestürmt. „Die haben mit der Waffe vor unserem Bett gestanden, haben geschrien ,Hände hoch, Polizei‘ “, berichtet Ilona Meier. Ihr Mann sei im Bett liegend mit Kabelbindern gefesselt worden. Erst dann habe man nach seinem Namen gefragt, ergänzt Stefan Meier. Als er ihn genannt habe, hätten sich die Beamten angesehen. „Da ist denen klar geworden, dass sie im falschen Stockwerk sind.“ Polizisten in Zivil seien hinzugekommen, hätten sich entschuldigt. „Das SEK ist eiskalt ein Stockwerk tiefer und hat dort die Wohnung gestürmt“, berichtet Stefan Meier fassungslos.

Die Polizei bestätigt den Ablauf. Es habe eine Bedrohungslage und die Anordnung des Amtgerichts Göttingen gegeben, die Wohnung zu durchsuchen. Ein Spezialeinsatzkommando aus Hannover habe dann die falsche Wohnung gestürmt, sagt Horst Kanngießer, stellvertretender Leiter des Polizeikommissariats Duderstadt: „Es ist ein Fehler passiert, das tut der Polizei leid. Der Kommissariatsleiter hat sich entschuldigt.“ Der Schaden werde ersetzt, Betreuung angeboten, so Kanngießer.

Dann stürmten die Beamten in die Wohnung von Sarah Schultz und Jens Hoffmeister eine Etage tiefer und überraschte diese im Schlaf. Tochter Jannicka war zuerst wach, als die Beamten die Tür aufbrachen, sie rief ihren Vater. Der stand, nur mit Unterwäsche bekleidet, im Flur, als sechs bis sieben vermummte Polizisten die Wohnung stürmten. Er habe die Waffen gesehen, überall rote Punkte von Laserzieleinrichtungen auf seinem Körper gehabt. „Ich habe gedacht, die erschießen Papa“, berichtet die Tochter.

Er sei dann zu Boden gerissen, mit Kabelbindern und Handschellen gefesselt worden. Dabei sei eine Sehne in seiner Schulter gerissen, berichtet Hoffmeister. Am Boden liegend habe er den Kopf gehoben, wollte nach Tochter und Lebensgefährtin fragen. Da habe er zunächst einen Fuß in den Nacken bekommen, dann habe sich ein Beamter auf ihn gekniet. Als er wieder versuchte den Kopf zu heben, sei ihm ein Elektroschocker in den Rücken gedrückt worden. Hoffmeister trug Verbrennungen davon, schürfte sich durch die Verkrampfung die Knie auf, brach sich einen Zeh. Eine Waffe sei im so auf die Schulter gedrückt worden, dass ein Bluterguss zurückblieb.

Ein Anrufer bei der Polizei hatte den SEK-Einsatz ausgelöst. Er behauptete, Hoffmeister habe ihm im Streit um Mietangelegenheiten eine Waffe an den Kopf gehalten. Hoffmeister bestreitet das. „Ich bin ein unbescholtener Bürger, habe das letzte Mal vor 25 Jahren bei der Bundeswehr eine Waffe in der Hand gehabt.“ Nach Informationen des „Eichsfelder Tageblatt“ wurde bei der Durchsuchung keine Waffe gefunden.

SEK stürmte im Jahr 2011 fälschlicherweise Haus in der Wedemark

Am 27. Juli 2011 hatte ein SEK fälschlicherweise ein Haus in der Wedemark gestürmt. Die Polizisten hatten dabei einen Hund erschossen und ein Ehepaar und dessen Kinder in Angst und Schrecken versetzt. Die Erstürmung, bei der auch ein Polizeihubschrauber über dem Haus kreiste, sollte auch ein Nachspiel im niedersächsischen Landtag haben.

Ulrich Lottmann/jhf

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