Psypsychoaktive Substanzen

Synthetische Drogen sind auf dem Vormarsch

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Foto: Konsumenten greifen immer mehr zu synthetischen Drogen.

Wien/Berlin - Drogenkonsumenten greifen global gesehen seltener zu Kokain und Cannabis. Dafür breiten sich künstlich hergestellte Substanzen aus. Auch in Deutschland hat der Staat Mühe, gegen immer neue Designerdrogen vorzugehen.

Die Vereinten Nationen warnen vor der zunehmenden Ausbreitung synthetischer Drogen. Die Herstellung von Amphetaminen, zu denen auch das Rauschmittel Crystal Meth gehört, nehme weltweit zu, heißt es im Weltdrogenbericht 2014. Während der allgemeine Drogenkonsum stabil geblieben sei, gebe es einen deutlichen Anstieg bei der sichergestellten Menge an Amphetaminen und der Zahl entsprechender Drogen-Labore vor allem in Nordamerika, heißt es in dem am Donnerstag vorgestellten Report.

In Deutschland will die Bundesregierung mit neuen Verboten den Konsum von Designerdrogen bekämpfen. Geschätzte 34,4 Millionen Menschen konsumierten laut dem Weltdrogenbericht im Jahr 2012 Amphetamine. Damit waren diese hinter Cannabis die am zweithäufigsten konsumierte Rauschmittelart.

Das Ausmaß der weltweiten Produktion ist jedoch schwer abzuschätzen, wie die UN-Behörde für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) einräumte. Schwierig gestalte sich auch die Bekämpfung, weil Hersteller zunehmend neue Grundstoffe und Bestandteile der künstlichen Drogen einzeln schmuggelten.

Weltweit wurden 144 Tonnen Amphetamine sichergestellt, die Hälfte davon in den USA. Eine weitere Herausforderung sind laut UN neue psychoaktive Substanzen, sogenannte Designerdrogen, deren Zahl kontinuierlich ansteige. Mitte 2012 gab es noch 251 dieser psychoaktiven Drogen, im Dezember 2013 waren es bereits 348. Bei diesen so genannten Legal Highs handelt es sich um Rauschgifte, die im Grundsatz seit langem bekannt und auch schon längst verboten sind, aber immer wieder verändert werden und unter neuen Namen auf den Markt kommen.

Oft werden sie im Internet vermarktet. International kontrolliert und verboten sind 234 Drogen. In Deutschland will die Bundesregierung mit neuen Verboten auf die zunehmende Verbreitung von Designerdrogen reagieren. "Im vergangenen Jahr wurden 55 neue psychoaktive Substanzen dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt", sagte die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. "Für 20 weitere liegen bereits positive Voten des zuständigen Ausschusses beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte vor."

20 neue Verbote sind damit absehbar. Das Problem sei jedoch, dass man mit dem Verbot einzelner Substanzen den Entwicklungen hinterherlaufe, sagte Mortler. Ein Ausweg könnte nach ihren Worten sein, ganze Stoffgruppen für diese Substanzen zu verbieten. Dabei müsse aber das Bestimmtheitsgebot für Strafgesetze und das Rechtsstaatsgebot beachtet werden. "Und es wird immer Substanzen geben, die auch einzeln erfasst werden müssen." Insgesamt konsumierten nach UN-Angaben im Jahr 2012 geschätzte 243 Millionen Menschen mindestens einmal illegale Drogen.

Im Vergleich zum Vorjahr blieb die angenommene Zahl damit relativ konstant. Die Zahl der Drogentoten ging sogar deutlich zurück. 2012 starben rund 183 000 Menschen an den Folgen ihres Drogenkonsums. Im Vorjahr waren es 211 000. "Illegale Drogen verursachen kriminelle Gewalt und schwächen wichtige staatliche Einrichtungen", erklärte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zum Internationalen Tag gegen Drogenmissbrauch am Donnerstag. Ein Rückschlag ist nach Ansicht der Vereinten Nationen vor allem der drastische Anstieg der Opiumproduktion in Afghanistan.

Das Hauptlieferland für Opium, Grundstoff für Heroin, habe seine Anbauflächen im vergangenen Jahr um 36 Prozent auf 209 000 Hektar ausgeweitet. Afghanistan lieferte 2013 rund 80 Prozent des weltweiten Opium-Aufkommens. Die Verfügbarkeit von Kokain ging laut UN hingegen zurück. Die Größe der Koka-Anbauflächen sei mit zuletzt 133 700 Hektar auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1990. Die gesamte Kokainproduktion konzentriere sich dabei praktisch auf drei südamerikanische Länder: Bolivien, Peru und Kolumbien.

17,2 Millionen Menschen konsumierten demnach 2012 Kokain. In Nordamerika aber auch in Mittel- und Westeuropa sank der Verbrauch. Am stärksten ging der Gebrauch von Ecstasy zurück. Die Zahl der Konsumenten lag 2012 bei 18,8 Millionen und damit drei Prozent niedriger als im Vorjahr. Auch die Zahl der Cannabiskonsumenten ging leicht zurück und lag 2012 bei rund 178 Millionen Menschen.

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