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Tabakkonzern tritt an der Leuphana auf

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Darf ein Tabakkonzern an einer Hochschule auftreten? An der Universität Lüneburg ist darüber heftiger Ärger entbrannt.

Lüneburg - Darf ein Tabakkonzern an einer Hochschule auftreten? An der Universität Lüneburg ist darüber heftiger Ärger entbrannt. Studenten und Professoren warnen vor zuviel Wirtschaftsnähe.

Hannover. Wieder einmal ist an der Universität Lüneburg Streit entbrannt. Dieses mal geht es um die Frage, wie es um Moral und Ethik an der Hochschule steht. Anlass ist eine Veranstaltung des sogenannten Career-Service (Berufswahl-Service) zu Wochenbeginn. Eine Referentin des Tabakkonzerns British American Tobacco stellte sich und ihren Konzern dort vor. Schon im Vorfeld hagelte es Kritik. Der Allgemeine Studierendenausschuss AStA und die Organisation Amnesty International forderten die Absage der Veranstaltung. Die Uni-Leitung wies dies zurück. „An einer Hochschule sollte es nicht um Redeverbote, sondern um Information und Aufklärung gehen“, sagt Uni-Sprecher Henning Zühlsdorff.

Die Universität dürfe der Tabakindustrie kein Forum zur Imagepflege bieten, sagt hingegen Prof. Wolfgang Ruck von der Fakultät für Nachhaltigkeitsforschung. „Die konnten sich hier als Top-Arbeitgeber präsentieren, doch am Geld dieser Industrie klebt Blut“, kritisiert Ruck. „Das ist Reinwaschen, was die Tabakindustrie hier macht.“ Sie verschweige, dass ihre Mitarbeiter sich mitschuldig machten am Tod vieler Menschen.

Ruck fordert die Universitätsleitung auf, einen Ethikkodex aufzustellen - nach dem Vorbild des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg. Nach einem solchen Kodex dürfte die Uni nicht mit zweifelhaften Industrieunternehmen wie Tabak- oder Rüstungskonzernen zusammenarbeiten, die Krankheiten, Elend und Tod über die Menschen brächten. Überhaupt sollten wieder vermehrt Fragen der Moral und Ethik an der Hochschule diskutiert werden, meint Ruck. Es sei wichtig die Studenten darauf vorzubereiten was zu tun ist, wenn sie im Berufsleben in unlautere Geschäfte gezogen werden sollen.

Die Uni-Leitung kann die Aufregung nicht nachvollziehen. Es sei nicht um die Selbstdarstellung eines Tabakkonzerns gegangen, sondern darum, den Studierenden Einblick in die Arbeitswelt und in mögliche Karrierewege zu geben, erklärt Uni-Sprecher Zühlsdorff. Ob sie solche Angebote wahrnehmen wollen, entschieden die Studierenden selbst - ebenso wie die Frage, ob ein Unternehmen für sie als Arbeitsgeber infrage komme. Dennoch reagiert die Universitätsleitung auf die Kritik. In einer universitätsöffentlichen Veranstaltung am 30. April soll über die aufgeworfenen Fragen diskutiert werden.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Leuphana-Universität einer zu großen Nähe zur Wirtschaft bezichtigt wird. Von manchen wird die Uni schon spöttisch „Leufirma“ genannt. 2012 veranstaltete die Hochschule eine „Startwoche“ mit Vertretern der Gesundheits- und Pharmaindustrie. Sie gönnt sich ein neues Hauptgebäude von Stararchitekt Daniel Libeskind, in dem Politiker ein Luftschloss mit unsauberen Finanzierungstricks sehen. Nicht zufällig startete die Anti-Korruptions-Organisation Transparency Deutschland im Juli 2012 in Lüneburg ihre Kampagne gegen Korruption an deutschen Hochschulen.

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