„Paducation“

Tablet-Computer für den Unterricht

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Foto: Schulen in Niedersachsen sollen zukünftig mit i-Pads ausgestattet werden.

Hannover - Ältere Schüler können sich noch erinnern: Einst stand im Klassenraum nur eine Tafel. Dann kam der Overheadprojektor dazu – ein brummendes Gerät, das ständig nach Folien verlangte und selten funktionierte.

Die nächste Welle war digital: „Schulen ans Netz“, hieß das Motto, als Boris Becker noch für das Internet warb. Inzwischen steht selbst in kleinen Grundschulen ein PC. Und wo immer noch ein wenig Geld zur Verfügung steht, wird es für interaktive Tafeln ausgegeben.

Für die Schulen ist es nicht leicht, mit der technologischen Entwicklung Schritt zu halten. Oft sind die Geräte veraltet, oft fehlt das Fachpersonal für die Wartung. Und immer häufiger wird auch der Nutzen der Elektronik im Klassenraum für das Lernen infrage gestellt. Vielleicht hat man daher für das jüngste Projekt die Pädagogik gleich mit in den Namen geschrieben: In den Schulen geht es jetzt um „Paducation“ – das Lernen mit iPads.

Das Land Niedersachsen will zum nächsten Schuljahr 17 Pilotschulen in sechs Regionen versuchsweise mit Tablet-Computern ausstatten. In der Region Hannover sollen die Schüler der KGS Laatzen dreieinhalb Jahre lang die tragbaren „Schreibtafeln“ erproben. „Es soll überprüft werden, ob die Geräte für das mobile Lernen geeignet sind und ob sie die Qualität des Unterrichts verbessern“, sagt die Sprecherin des Kultusministeriums, Corinna Fischer. Die Anschaffung der nicht ganz billigen Touchpads müssen die Kommunen, Sponsoren oder die Eltern übernehmen. Das Land gibt nach Angaben keine Finanzspritze. Stattdessen gebe es personelle Unterstützung durch Beraterteams in Form von Lehrerfortbildungen und Workshops.

Vorbild für die niedersächsischen Schulen ist das Kurt-Körber-Gymnasium in Hamburg-Billstedt. Es ist die erste Schule in Norddeutschland, an der Schüler des elften Jahrgangs mit iPads im Unterricht arbeiten. Mit Erfolg? Für Ralf Appelt, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Hamburg, hat das Lernen mit dem Tablet-PC einen unschlagbaren Vorteil: Das Gerät ist sofort startbereit und erlaubt, den Schulstoff sehr schnell zu nutzen. „Ob Bilder, Filme oder Videos – die Schüler haben gleich Zugriff“, sagt Appelt. Keine lästigen Schwarz-Weiß-Kopien mehr, kein umständliches Computerhochfahren.

Eine Revolution des Unterrichts? In Goldau in der Schweiz haben alle Fünftklässler 2009 ein iPhone vom Hersteller Apple an die Hand bekommen. Zwei Jahre lang durften sie das Smartphone im Unterricht benutzen und auch mit nach Hause nehmen. Das Ergebnis, so der Pädagoge Appelt: Die technischen Allrounder seien schnell Normalität im Leben der Kinder geworden und hätten in erster Linie – immerhin! – dem Lernen gedient.

Viktoria Hübner

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