Rätselhafter Dachbodenfund

Tatsächlich, eine uralte Mumie

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Diepholz/Verden - Das Rätsel um die Diepholzer Mumie scheint sich zu klären: "Nach ersten Untersuchungen gibt es Hinweise, dass die Mumie 2000 Jahre alt ist", sagte Staatsanwalt Lutz Gaebel am Dienstag. Um ganz sicher zu sein, werde aber weiter untersucht. Der Sarkophag war Anfang August eher zufällig entdeckt worden.

In das Mysterium um die Diepholzer Dachboden-Mumie kommt langsam Licht. Nach Angaben des Verdener Staatsanwalts Lutz Gaebel gibt es Hinweise darauf, dass die Mumie tatsächlich 2000 Jahre alt ist. „Das haben erste Untersuchungen der Rechtsmedizin in Hamburg ergeben.“ Das eingeleitete Ermittlungsverfahren wegen eines Tötungsdeliktes hätte sich damit erledigt.

Der zehn Jahre alte Sohn des Diepholzer Zahnarztes Lutz Wolfgang Kettler hatte das einbandagierte Skelett eines Kindes Anfang August auf dem Dachboden seiner Großmutter gefunden. Die Staatsanwaltschaft Verden ließ die Mumie am Dienstag beschlagnahmen und zur Untersuchung nach Hamburg bringen. Bei einer ersten Begutachtung hatte sich nämlich in der vergangenen Woche herausgestellt, dass die äußeren Bandagen aus dem 20. Jahrhundert stammen. Außerdem zeigten Röntgenbilder eine Pfeilspitze in der linken Augenhöhle. Die Staatsanwaltschaft leitete daher ein Ermittlungsverfahren ein. Möglicherweise ist die Mumie nun doch eher ein Fall für Archäologen.

Der Gehrdener Ägyptologe Karl Martin hält es nicht für ausgeschlossen, dass eine ägyptische Mumie jahrzehntelang auf einem Dachboden in Diepholz gelegen hat. „Mumien gibt es in Ägypten zu Tausenden.“ Zahnarzt Kettler vermutet, dass sein Vater die einbalsamierte Leiche in den fünfziger Jahren von einer Reise mitgebracht hat. „In den fünfziger Jahren konnte man Mumien noch relativ unproblematisch außer Landes schaffen“, sagt Martin. „Ein Pharao ist es aber ganz sicher nicht. Die sind alle bekannt, und Kinderpharaonen kennen wir keine.“

Damit bestätigt sich eine der Theorien, die bereits Kettler über die Herkunft der Mumie angestellt hatte: Vermutlich sei sein Vater Schwindlern aufgesessen, von denen er sie erworben haben könnte. Eine plumpe Fälschung, sagt Ägyptologe Martin: „Der Sarg ist ganz offensichtlich nicht original. Die ägyptischen Schriftzeichen machen keinen Sinn.“

Eine echte Mumie, aber kein Pharao - die Staatsanwaltschaft stellt sich darauf ein, dass sie ihre Ermittlungen schon bald einstellen kann. Ein abschließendes Ergebnis werde es allerdings erst in etwa sechs Wochen geben, sagt der Verdener Staatsanwalt Gaebel. Die Mumie sei bisher nicht geöffnet worden, und weitere Untersuchungen stünden aus. Externe Experten würden von der Rechtsmedizin hinzugezogen. „Wenn sich das Ergebnis dann bestätigt, ist es kein Fall mehr für die Justiz.“

2020019

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