Endlich Karneval!

Tausende Jecken feiern die fünfte Jahreszeit

Köln - Die närrische Durststrecke ist beendet. Zehntausende Jecken haben am 11.11. um punkt 11 Uhr 11 die neue Karnevalssession eingeläutet. Der Heumarkt in Köln musste schon eine Stunde zuvor wegen Überfüllung geschlossen werden.

Wenn der Karneval beginnt, dann steht auch TV-Moderator Stefan Raab an vorderster Front. Einen richtig kölschen Schmachtfetzen bringt der TV-Moderator am Sonntag zusammen mit der Kölner Gruppe Höhner auf dem Kölner Heumarkt im Zentrum des rheinischen Frohsinns zum Besten. „Ävver et Hätz bliev he in Kölle“ (Aber das Herz bleibt hier in Köln) schmettern sie von der Bühne, und Raab spielt dazu Gitarre.

Schöner kann der Karnevalsauftakt nicht sein. Die Sonne wärmt Tausende Jecken, die pünktlich am 11.11. um 11 Uhr 11 die fünfte Jahreszeit einläuten. Und zum Glück ist Sonntag. Das heißt zum Beispiel für den 25-jährigen Jens aus Dormagen, dass er das närrische Treiben auf den Straßen Kölns genießen kann. An einem Werktag hätte er natürlich um 11 Uhr 11 arbeiten müssen. Der Heumarkt muss schon eine Stunde vorher wegen Überfüllung geschlossen werden.

Schon früh am Morgen sind die Karnevalisten in die Innenstadt gepilgert. Bereits um neun Uhr bilden sich lange Schlangen vor Kneipen und Brauhäusern. Wer sich dem Heumarkt nähert, muss seine Glasflaschen abgeben und seine Getränke in Plastikbecher füllen. Mit einem Countdown, Jubel und Musik empfangen die Jecken das Dreigestirn aus Prinz, Jungfrau und Bauer. Das Kölner Motto in diesem Jahr lautet: „Fastelovend em Blot - he un am Zuckerhot“, auf Hochdeutsch: „Karneval im Blut - hier und am Zuckerhut.“

Im Zebrakostüm ist Mandy Simon mit dem Zug in Köln nach Köln gefahren. „Ich wähle gerne Kostüme, bei denen man mich nicht mehr erkennt“, sagt die 20-Jährige. „Dadurch kann ich mich benehmen wie ich will.“ Denn zum Karneval darf man verrückt sein, kann in der verkleideten Menge untergehen und den Alltag vergessen. Das macht den Reiz des Karnevals aus.

Besondere Mühe geben sich Daniela Lörks und ihre Freundinnen, die in selbst angefertigten prächtigen Pfauenkostümen mit vielen Federn durch die Straßen ziehen. „Die fertigen Verkleidungen sind meistens nicht so schön und passen oft nicht richtig“, sagt Lörks.

Nicht nur in den rheinischen Hochburgen des Frohsinns, auch im Osten Deutschlands, in Berlin und Bayern schunkeln sich am Sonntag Zehntausende in den Karneval. Und das ist gerade einmal der Anfang des närrischen Treibens. Bis zum karnevalistischen Siedepunkt am Rosenmontag, 11. Februar, sind es noch genau drei Monate.

Auf den Stufen vor dem Dom sitzt derweil Ruth Täger und isst ihr Brötchen. Sie macht schnell Pause, viel Zeit hat sie nicht. Die 32-Jährige arbeitet in einem Supermarkt im Kölner Hauptbahnhof. Dort steigen an diesem Vormittag Hippies, Clowns, Piraten, Engel und sogar Senftuben aus dem benachbarten Düsseldorf aus überfüllten Zügen. In Tägers Laden decken sie sich mit Getränken ein. „Viele kaufen aber auch Kaffee, die sind ja teilweise schon seit vier, fünf Uhr morgens auf den Beinen“, sagt sie.

Ruth Täger ist nicht verkleidet. Müsste sie nicht arbeiten, wäre sie auch als Karnevalistin unterwegs - allerdings in Mainz. „Man merkt schon, dass die Kölner und Mainzer anders feiern“, findet sie. „Von der Mentalität her.“

dpa

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