Hamburg

Tausende Menschen auf 1. Mai-Demos erwartet

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Hamburg - Ob es wie beinahe jedes Jahr zu Krawallen kommt, ist unklar. Hamburgs Polizei geht bislang zumindest von Provokationen bei Demonstrationen linker Gruppen aus. Erstmals gibt es am Tag der Arbeit zeitgleich zwei konkurrierende „revolutionäre 1. Mai“-Demos.

Zum Tag der Arbeit am 1. Mai werden in Hamburg auf Demonstrationen tausende Menschen erwartet. Während die Polizei die Kundgebungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) traditionell friedlich beurteilt, rechnet sie bei den Veranstaltungen der linken Szene zumindest mit Provokationen. Erstmals gibt es in diesem Jahr wegen „politischer Differenzen“ der Veranstalter zwei konkurrierende „revolutionäre 1. Mai“-Demos (18.00 Uhr). Insgesamt sind sechs Veranstaltungen angemeldet - drei vom DGB in der Innenstadt sowie in Bergedorf und Harburg, drei von linken Gruppen. Wie in den Jahren zuvor hatte es auch im Vorjahr Krawalle gegeben, die nach Einschätzung der Polizei „kurz, aber heftig“ ausfielen.

Auch diesmal rechnet die Polizei mit einem „nicht störungsfreien Ablauf“. Ob es zu größeren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Linksautonomen kommt, ist unklar. Anders als in den Vorjahren sind am Freitag gleich drei voneinander unabhängige Umzüge mit Ausschreitungspotenzial angemeldet. Die Polizei sei auf jeden Fall vorbereitet und werde auch von Einsatzkräften unter anderem aus Schleswig-Holstein unterstützt, sagte eine Sprecherin.

Der Auftakt des Tags der Arbeit gehört jedoch traditionell den Gewerkschaften. So ruft der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) am Vormittag (11.00 Uhr) unter dem Motto „Die Arbeit der Zukunft gestalten wir“ in der Innenstadt zu einer Demonstration auf. Die Hauptkundgebung ist für 12.00 Uhr auf dem Fischmarkt geplant. Die DGB-Veranstaltungen gelten als traditionell friedlich.

Als Redner angekündigt haben sich Hamburgs DGB-Chefin Katja Karger, Sophie Binet von der französischen Gewerkschaft UGICT-CGT sowie Stephanie Holtz von der Gewerkschaftsjugend Hamburg. Ebenfalls erwartet wird Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD). Laut Polizei sind zu dieser Demonstration 3500 Teilnehmer angemeldet. Zu den beiden anderen DGB-Kundgebungen in Bergedorf und Harburg werden jeweils 500 Teilnehmer erwartet.

Für den Nachmittag (14.00 Uhr) hat das Bündnis „Recht auf Stadt“ am Millerntorplatz zu einer Demonstration aufgerufen. Unter dem Titel „Never mind the papers“ will es vor allem gegen die Flüchtlingspolitik des rot-grünen Senats protestieren. Die Kritik richtet sich insbesondere gegen die Grünen. „Für zweieinhalb Senatsposten und neue Fahrradwege verraten die Grünen die Idee, dass Geflüchtete gleiche Rechte wie alle Menschen in dieser Stadt haben sollen“, heißt es im Aufruf zur Demonstration, zu der bis zu 1800 Menschen erwartet werden.

Anders als in den Vorjahren starten dann am frühen Abend (18.00 Uhr) gleich zwei „revolutionäre 1. Mai“-Demonstrationen. Ursprünglich vereint, haben sich in diesem Jahr wegen „politischer Differenzen“ zwei Gruppen herausgebildet, deren Gewaltpotenzial von der Polizei nach eigenen Angaben derzeit nur schwer einzuschätzen ist. Auf jeden Fall solle verhindert werden, dass sich beide Demonstrationszüge mit jeweils rund 1000 erwarteten Teilnehmern zusammenschließen.

Auf der einen Seite steht dabei das „Bündnis gegen imperialistische Aggression“. Es betrachtet seinen an der Feldstraße beginnenden Umzug als „Ausdruck des engsten Zusammenschlusses mit denen (...), die in den Sturmzentren der Weltrevolution kämpfen“. Auf der anderen Seite steht jene Gruppe linker Aktivisten, die unter dem Motto „Hamburg sieht rot! Heraus zum revolutionären 1. Mai!“ am Bahnhof Altona demonstrieren wollen. Ihr Protest richtet sich sowohl gegen die Hamburger Politik als auch gegen das kapitalistische System an sich.

In Hamburg gibt es beinahe jedes Jahr am 1. Mai Ausschreitungen - wenn auch mit leicht abnehmender Tendenz. Im Vorjahr waren die Krawalle nach Einschätzung der Polizei „kurz, aber heftig“. Damals waren bei der „revolutionären 1. Mai“-Demo mehr als 1900 Polizisten im Einsatz. 15 Menschen wurden festgenommen, fünf kamen in Polizeigewahrsam. Etwa 70 Menschen wurden verletzt.

dpa

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