Klimaschutz

Teufelsmoor bekommt zweite Chance

+
Reinhard Meyer-Graft, „Initiative Teufelsmoor“-Gründer, argumentiert mit dem Klimaschutz.

Worpswede - Als Reaktion auf die vom Land Niedersachsen geplante Ausweitung von Torfabbauflächen hat sich eine "Aktion Moorschutz" gegründet. Sie argumentiert mit dem Klimaschutz. Im Teufelsmoor bei Worpswede sind die Moorschützer schon länger aktiv - mit Erfolg.

Reinhard Meyer-Graft aus dem kleinen Dorf Teufelsmoor war entsetzt, als er vom Vorhaben des benachbarten Turba Erden- und Humuswerks erfuhr. „Mitten im Dorf haben sie eine neue Torfabbaufläche beantragt“, sagt der frühere Restaurator und zeigt auf eine Pferdewiese vor seinem Haus. „Da sind die Leute hier doch ins Nachdenken gekommen.“ Das ist Jahre her, 2007 schon gründete Meyer-Graft die „Initiative Teufelsmoor“ - sie wirbt um Großspender, um den Landwirten die umstrittenen Flächen abkaufen zu können.

Als im konkreten Fall wirksamer scheint sich indes der passive Widerstand des Kreises Osterholz zu erweisen: Die Verantwortlichen dort ließen sich von Moorschützern und Tourismusbranche überzeugen und entschieden einfach nicht über den Antrag, dem sie formal hätten zustimmen müssen. Turba scheint angesichts der vielen Gegner das Interesse verloren zu haben; öffentlich wollte sich die Firma nicht äußern.

Von seiner bisherigen Abtorffläche zieht sich der Betrieb bis Ende des Jahres zurück. Dort schaufeln Bagger nun Regenpolder, mit denen das Moor eine zweite Chance bekommt. Hochmoore wie das Teufelsmoor sind vor Tausenden Jahren entstanden, wo Niederschläge nicht abflossen, sondern von schwammartigen Torfmoosen aufgesaugt wurden. Diesen Weg soll das Gebiet Günnemoor nun von Neuem nehmen. Der Landkreis hat nach langen Auseinandersetzungen im Einvernehmen mit Turba die Wiedervernässung vereinbart. Kraniche und Kreuzotter, Sonnentau und Torfmoose beginnen sich bereits wohlzufühlen.

„Vielleicht lassen sich auch das Birkhuhn und der Goldregenpfeifer demnächst wieder blicken“, hofft Anette Lilje. Die Landschaftsökologin von der Biologischen Station Osterholz freut sich, seit Kurzem Besuchergruppen hierher führen zu können; ein Aussichtsturm soll noch mit EU-Unterstützung entstehen. „Die Leute horchen auf, wenn ich vom Moorschutz als Klimaschutz erzähle“, sagt die 32-Jährige. „Intakte Moore speichern Kohlendioxid, über 13 Prozent der Treibhausgase in Niedersachsen stammen aus entwässerten Mooren.“ Beim Abtorfen entweiche das Kohlendioxid in die Luft. Und Torf sei durch andere Stoffe zu ersetzen und für Hobbygärtner völlig verzichtbar.

Die Klimabotschaft will auch die „Initiative Teufelsmoor“ weiterverbreiten. Das eigene Moor scheint zwar gerettet. Im Nachbarkreis Rotenburg aber breitet sich die Torfindustrie noch weiter aus.

1241793

Kommentare