Verbesserung der Arbeitsbedingungen

Textilabkommen in Bangladesch soll Wende sein

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Foto: Das Textilabkommen soll die Arbeitsbedingungen der Fabrikarbeiter in Bangaldesch verbessern.

Dhaka - Mehr als 1100 Menschen starben beim Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch vor einem Jahr. Die Auftraggeber aus den reichen Ländern versprachen, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Doch Zweifel an den Zusagen bleiben.

Das nach der Textilfabrik-Katastrophe in Bangladesch ausgehandelte Abkommen für Feuer- und Gebäudesicherheit kann nach Ansicht eines Unternehmensberaters wichtige Veränderungen in demLand bringen. In dem Übereinkommen zwischen Herstellern und Auftraggebern gehe es nicht nur um die Fabriken selbst, sondern auch um Mitbestimmungsrechte der Arbeiter, sagte Sean Ansett vor dem Jahrestag des Unglücks. Er ist Unternehmensberater für Nachhaltigkeit und Ex-Geschäftsführer des Abkommens. „In vielen Fabriken gibt es nun erstmals Sicherheitskomitees aus Arbeitern und Managern.“

Wer zahlt den Opfern?

Die internationalen Gewerkschaften IndustriAll und UNI haben einen Treuhandfonds eingerichtet. In diesen sollen die 29 Unternehmen, die in einer der Unglücksfabriken im Rana-Plaza-Gebäude fertigen ließen, zusammen 29 Millionen Euro einzahlen. Dann wird das Geld an die Familien der Opfer und die Überlebenden ausgezahlt. Eine erste Tranche von 465 Euro erhielten sie bereits jeweils, das meiste Geld soll noch folgen. Doch ist der Topf bislang noch nicht einmal halbvoll. Bislang eingegangen:

Der britische Modekonzern Primark ist Vorreiter. 723 000 Euro gehen in den Fonds, 1,34 Millionen Euro an alle Rana-Plaza-Arbeiter und weitere 6,5 Millionen Euro direkt an die Arbeiter, die für einen Primark-Zulieferer im zweiten Stock des Gebäudes arbeiteten.

Die Entwicklungshilfeorganisation Brac USA sammelte zusammen 1,6 Millionen Euro ein, unter anderem von Gap, Walmart, The Children's Place, Asda und VF Corporation. Manche davon ließen gar nicht in Rana Plaza fertigen.

Der Textilhändler C&A aus Düsseldorf stellt 500000 Euro bereit.

Der Textildiscounter Kik aus Westfalen zahlt 723 000 Euro.Die Hälfte geht in den Fonds, die andere Hälfte an lokale Hilfsorganisationen.

Bonmarché, Camaïeu, El Corte Inglés, Inditex (Zara), Loblaw, LPP S.A., Mango, Mascot, N Brown Group und Premier Clothing zahlen einen unbekannten Betrag.

Benetton, Matalan, Adler Modemärkte und Carrefour haben noch nichts eingezahlt.

dpa

Leider würden nur sehr wenige Konsumenten die Markenhersteller wirklich fragen, wo ihre Kleidung herkomme, sagte Ansett. Aber: „Es gibt ein gesteigertes Bewusstsein über die Problemlage.“ Allerdings kenne er nicht eine einzige Studie, die zeige, dass Käufer mehr für nachweislich ethisch hergestellte Produkte bezahlen wollten.

Das Abkommen, das von mehr als 150 vor allem europäischen Handelskonzernen unterzeichnet wurde, hat nach Ansicht Ansetts auch eine Abwanderung der Branche aus Bangladesch verhindert. „Ohne das Programm wäre das Vertrauen nicht da gewesen. Denn keiner hätte gewusst, ob nicht bald der nächste Einsturz passiert.“

dpa

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