Textilfirmen einigen sich auf Schutzregeln für Näherinnen

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Mehr Schutz für Näherinnen: In Bangladesch kamen mehr als 1000 Menschen beim Einsturz eines Gebäudes mit Textilfabriken ums Leben.

Berlin - Die Katastrophe könnte die Wende bringen in Bangladesch: Mehrere große Textilfirmen haben sich auf neue Brand- und Schutzstandards geeinigt. Ein Viertel der Fabriken im Land nähen für die Unterzeichner - weitere könnten hinzukommen.

Die Kampagne für Saubere Kleidung hat die Zustimmung westlicher Konzerne zu mehr Schutzregeln in Textilfabriken von Bangladesch als „Meilenstein“ bezeichnet. Bislang haben Firmen wie H&M, C&A und Zara/Inditex unterzeichnet, die Frist endet am Mittwoch um Mitternacht. Als erste Unternehmen hätten PVH (Calvin Klein/Tommy Hilfiger) und Tchibo die verbindlichen Brand- und Gebäudeschutzregeln unterschrieben, sagte die Kampagnen-Koordinatorin Frauke Banse am Dienstag.

In dem Abkommen sind unabhängige Sicherheitsinspektionen und die Verpflichtung zur Instandsetzung vorgesehen, außerdem sollen die Beschäftigen mehr Mitspracherechte haben. Das Abkommen ist laut dem Gewerkschaftsverband IndustriAll Global Union eine verbindliche Vereinbarung zwischen den westlichen Großabnehmern, internationalen Gewerkschaften und den Produzenten in Bangladesch. Auch Primark/Penneys und Tesco seien mit im Boot. Damit gälten die neuen Standards für mehr als 1000 Textilfabriken in Bangladesch. Die rund 4000 Nähfabriken im Land beschäftigt etwa 3,5 Millionen Arbeiter.

Beim Einsturz eines Gebäudes mit mehreren Textilfabriken vor drei Wochen waren 1127 Menschen ums Leben gekommen. Erst im November waren mehr als 100 Menschen bei einem Brand in einer Nähfabrik gestorben. „Es ist schlimm, dass erst so viele Menschen sterben mussten, bis es zu einem Umdenken bei den Unternehmen kam“, sagte Banse. IndustriAll forderte die Handelsketten Kik, Carrefour, Marks & Spencer und Gap auf, ebenfalls zu unterschreiben.

An der Unglücksstelle in Bangladesch haben die Retter ihre Arbeiten offiziell mit einem Gebet beendet. Mehrere Tausend Einsatzkräfte von Militär, Feuerwehr und Rotem Kreuz sowie Anwohner und freiwillige Helfer hoben die Handflächen gen Himmel und baten um eine schnelle Genesung für die fast 2500 Verletzten der Katastrophe. Die Lokalregierung versprach, an der Stelle ein Denkmal zu errichten, um die Opfer zu ehren.

Etwa 50 Angehörige warteten noch immer an der Unglücksstelle, die nun mit Stacheldraht und Bambusrohren gesichert ist. Ein Einsatzleiter der Armee erklärte, es seien keine Menschen mehr unter den Trümmern. Die Angehörigen wurden gebeten, ihre DNA-Proben im Krankenhaus mit denen der nicht identifizierten Opfer abgleichen zu lassen. Dutzende Menschen waren von den Behörden bestattet worden, weil niemand Anspruch auf die Leichen erhoben hatte.

dpa

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