Nachgefragt

Tierschutz-Expertin kritisiert Brandzeichen

+
Foto: Mit einem Brandzeichnen erhalten die Pferde Verbrennungen dritten Grades.

Hannover - Willa Bohnet vom Institut für Tierschutz und Verhalten an der Tierärztlichen Hochschule Hannover kritisiert Brandzeichen und ihre Auswirkungen auf das Tier. Ein Chip reiche als Kennzeichnung für Pferde aus.

HAZ-Redakteurin Heike Manssen sprach mit Dr. Willa Bohnet. Sie ist stellvertretende Institutsleiterin für Tierschutz und Verhalten an der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo).

Frau Dr. Bohnet, tut es den Tieren weh, wenn sie ein Brandzeichen bekommen?

Tut es Ihnen weh, wenn Sie sich verbrennen?

Ja. Und wie.

So ist es auch bei den Fohlen. Ihre Reaktion ist dann Flucht oder Erstarrung. Manche Tiere machen einen Satz nach vorne, andere bleiben vor Schmerz und Schreck stehen.

Und nach einer Sekunde ist dann alles vorbei?

Nein. Brandwunden – das kennen wir alle – tun noch lange Zeit weh. Pferde sind potenzielle Beutetiere, die nicht zeigen dürfen, dass es ihnen schlecht geht. Es gibt Studien, die nachweisen, dass bei Fohlen nach dem Brennen noch mindestens neun Wochen erhöhte Temperatur gemessen wird.

Und was ist mit dem Argument, Pferde hätten am Schenkel dickere Haut und seien deshalb dort schmerzunempfindlich?

Das stimmt nicht. Das Pferd hat tatsächlich unterschiedlich dicke Hautschichten. Doch bei Verbrennungen dritten Grades, wie sie beim Schenkelbrand üblich sind, werden die Schichten trotzdem stark verletzt.

Bei der alternativen Kennzeichnungsmethode wird dem Fohlen mit einer Kanüle ein Chip in den Hals implantiert. Ist das schmerzfreier?

Beides tut weh. Doch die Belastung für das Tier ist beim Heißbrand höher.

Seit wann ist die Identifikation mit Chip verpflichtend in Deutschland?

Europaweit müssen seit 2009, in Deutschland seit 2010 Pferde und Esel mit einem Transponder gekennzeichnet werden. Diese Kennzeichnung ist eindeutig und reicht aus, um ein Pferd zu identifizieren.

Kritiker bemängeln, dass auch beim Einsetzen der Transponder stärkere Blutungen oder andere Komplikationen auftreten können.

Natürlich kann etwas passieren, allerdings selten. Bislang haben Tierärzte Transponder eingesetzt. Mittlerweile machen das auch die Brandmeister, die dafür einen Wochenendkurs belegen müssen. Und wenn man den Eingriff das erste Mal macht, ist klar, dass es zu Komplikationen kommen kann.

Zum Beispiel?

Es kam immer mal wieder vor, dass die Chips im Hals zerbrochen sind. Mittlerweile passiert das nicht mehr, weil die Transponder aus Kunststoff sind.

Kommentare