Tierschutz in der Wissenschaft

TiHo sucht Alternativen für Tierversuche

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Foto: „Keiner hier benutzt aus Freude Tiere für Versuche“: Prof. Michael Wendt, Tierschutzbeauftragter der TiHo Hannover.

Hannover - Mäuse ohne Fell, Affen mit Elektroden im Gehirn, Kaninchen mit Krebstumoren: Tierversuche haben einen schlechten Ruf. Doch die Zahlen sinken. Auch, weil Wissenschaftler immer stärker an Alternativen forschen. Die Tierärztliche Hochschule in Hannover geht mit gutem Beispiel voran.

Die Zahl der Tierversuche in Niedersachsen ist leicht gesunken: Sie ging nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Hannover 2013 um rund fünf Prozent zurück. Insgesamt wurden 287.645 Tiere für wissenschaftliche Zwecke eingesetzt.

Dass die Zahl der Tierversuche sinkt, liegt auch daran, dass die moderne Forschung immer mehr nach anderen Lösungen sucht. Auch die Tierärztliche Hochschule in Hannover arbeitet intensiv an Möglichkeiten, mit weniger oder gar keinen Tierversuchen auszukommen, sagt der Tierschutzbeauftragte der Uni, Professor Michael Wendt.

An der Hochschule gibt es eine eigene Arbeitsgruppe, die Alternativen erforscht. „Die Kollegen versuchen zum Beispiel mit Zellen zu arbeiten, um Chemikalien auf krebserregende Eigenschaften zu testen, so dass kein Versuch am Tier nötig ist“, sagt Wendt.

Natürlich sei man dankbar für Alternativen: „Keiner hier benutzt aus Freude Tiere für Versuche.“ Manches ließe sich aber nicht unter dem Mikroskop untersuchen. Für die Forschung sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin gebe es in manchen Fällen keine andere Möglichkeit. Wendt findet wichtig, klar zu machen, was alles unter die Bezeichnung „Tierversuch“ fällt: „Wenn ich einem Tier zu Forschungszwecken Blut abnehme, gilt das schon als Tierversuch“, sagt der Veterinär.

Für intensivere Eingriffe müssten die Forscher bei der zuständigen Landesbehörde jedes Mal eine Genehmigung einholen. Eine Kommission berät die Behörde darüber, ob der Versuch erlaubt werden soll. Dieser Kommission müssen auch Vertreter von Tierschutzorganisationen angehören.

„Tierversuche entsprechen nicht automatisch dem Bild, das man als Klischee schnell im Kopf hat“, sagt der Professor. Höher entwickelte Tiere wie beispielsweise Affen dürften nur noch sehr eingeschränkt für Tierversuche eingesetzt werden.

Im Land Bremen ist die Zahl der Institutionen, die Tierversuche einsetzen, generell sehr klein. Die Bremer Wissenschaftler um Hirnforscher Andreas Kreiter unternehmen weiterhin neurologische Studien an Makaken und ernten dafür regelmäßig massive Kritik. Dennoch verlängerte die Bremer Gesundheitsbehörde Mitte November die Erlaubnis für die Versuche an den Affen. Im Jahr 2014 wurden in Bremen nach Angaben der Behörde vier Genehmigungen für Tierversuche und 2013 sechs erteilt.

dpa

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