Sudan

Zum Tode verurteilte Mutter soll freikommen

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Foto: Daniel Wani durfte am Donnerstag seine Frau im Gefängnis besuchen und seine kleine Tochter Maya auf den Schoß nehmen.

Khartum - Das Todesurteil gegen eine Christin im Sudan hat weltweiten Protest ausgelöst. Jetzt soll sie freigelassen werden. Ihr Anwalt ist skeptisch.

Die im Sudan zum Tode verurteilte Christin Mariam Jahia Ibrahim Ischag soll in den nächsten Tagen freikommen. Das sagte ein hoher Beamter des Außenministeriums in Khartum der Nachrichtenagentur dpa am Samstag. Abdullah al-Azrag erklärte, die sudanesische Regierung habe mit dem Fall nichts zu tun. Das Gesetz erlaube den Bürgern zu glauben, was sie wollten. Die 27-jährige Ischag war wegen angeblicher Abkehr vom Islam zum Tode verurteilt worden.

Die Scharia

Drakonische Strafen: Die Scharia ist das religiöse Gesetz des Islams. Es enthält alle Gesetze und Regeln, die in einer islamischen Gesellschaft zu beachten sind. Die Scharia ist allerdings nicht schriftlich festgehalten, sondern bezieht sich auf den Koran und wird regional und unter den einzelnen Glaubensrichtungen des Islams höchst unterschiedlich ausgelegt. In mehreren Staaten wird die Scharia heutzutage in der Verfassung ausdrücklich als Quelle der Rechtsschöpfung anerkannt – etwa in Ägypten, Bahrain, ­Jemen, Kuwait, Libanon, Sudan, Syrien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Anders als beispielsweise in Saudi-Arabien, Mauretanien und einigen Regionen in Indonesien oder Pakistan wird die Scharia jedoch in diesen Ländern nicht mit der Rechtsordnung gleichgesetzt und ist in jeweils unterschiedlicher Intensität in das Rechtssystem eingearbeitet.Vor allem drakonische Strafen in diesen Ländern sorgen immer wieder für Schlagzeilen. So kommt es zu Todesstrafen wegen Drogenschmuggels, Ehebruchs oder Gotteslästerung. Auch Prügel- und sonstige Körperstrafen bis hin zu Amputationen von Körperteilen, etwa bei Diebstahl, sind bei strenger Auslegung und in Vergeltungsfällen möglich.

Ihr Vater ist Muslim, die Mutter aber eine orthodoxe Christin aus Äthiopien. Ischag war wegen der weitgehenden Abwesenheit des Vaters als Christin erzogen worden. Das Schicksal der jungen Frau, die Anfang der Woche im Gefängnis eine kleine Tochter zur Welt gebracht hat, erregte international Aufsehen. Der britische Premierminister David Cameron nannte das Urteil "barbarisch". Das Al-Hadsch-Jusif-Kriminalgericht in Khartum hatte Mariam Dschahia Ibrahim Ischak am 15. Mai wegen „Gotteslästerung“ und „Glaubensabtrünnigkeit“ (Apostasie) zum Tode durch Erhängen verurteilt. Sie könne dem nur entkommen, wenn sie ihremGlauben abschwöre und zum Islam zurückkehre.

Al-Azrag erklärte, das Urteil werde von einem Berufungsgericht geprüft, das den Richterspruch abändern könne. Der Anwalt der Christin äußerte sich skeptisch, sagte dpa aber, das Berufungsgericht könne den Anklagepunkt Apostasie fallen lassen. Es bleibe dann aber noch die Beschuldigung wegen Ehebruchs, weswegen sie zu 100 Peitschenhieben verurteilt worden war. Nach sudanesischem Scharia-Recht war Ehe mit dem Christen Daniel Wani im Jahr 2012 ungültig.

dpa

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