Amoklauf in Los Angeles

Tödliche Schüsse auf Flughafen

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Am Flughafen von Los Angeles ist bei einer Schießerei ein TSA-Beamter getötet worden.

Los Angeles - Die strengen Sicherheitskontrollen am Flughafen von L.A. nutzten nichts: Mit einem Sturmgewehr läuft ein Mann durch eine Absperrung in eine Abflughalle. Ein Beamter stirbt, es bricht Panik aus. Polizisten strecken den Schützen mit Schüssen nieder.

"Alle auf den Boden, auf den Boden, jetzt sofort", brüllt ein Polizist. Menschen lassen sich fallen. Andere ducken sich. Dann kommen Leute in Panik angelaufen, einige mit ihren Koffern im Schlepptau. Diese chaotische Szene am Airport von Los Angeles fängt ein Augenzeuge am Freitagmorgen (Ortszeit) mit seinem Handy ein. Das Internetportal "TMZ.com" stellte das über einminütige Video ins Netz. Es dokumentiert die Angst am Flughafen von L.A., als dort ein Mann um sich schießt und einen Sicherheitsbeamten tötet.

Mit einem Sturmgewehr im Anschlag hatte sich der Schütze einen Weg durch Terminal 3 am LAX-Airport gebahnt. Am Ende ist ein Mitarbeiter der Verkehrssicherheitsbehörde TSA tot. Mindestens ein weiterer Mitarbeiter wird von Schüssen getroffen, mehrere Menschen werden auf der chaotischen Flucht vor dem Täter verletzt, teilen die Ermittler mit. Dem "heldenhaften" Einsatz von Polizisten sei es zu verdanken, dass der Schütze gestoppt wird, lobt der Bürgermeister von Los Angeles, Eric Garcetti, das Eingreifen der Beamten. Der mutmaßliche Täter endet selbst im Kugelhagel. Mit Schüssen in die Brust wird er niedergestreckt und schwer verletzt in Gewahrsam genommen.

Stunden nach der Tat gibt die Bundespolizei nur wenige Informationen heraus. Der Schütze ist 23 Jahre alt. Ein US-Amerikaner, der in Los Angeles lebt. Über ein mögliches Motiv machen die Ermittler zunächst keine Angaben. Doch US-Medien ziehen anhand von Augenzeugenberichten und ungenannten Quellen den Schluss, dass der Mann wohl einen Groll gegen Beamte hegte. Nach einem Bericht der "Los Angeles Times" soll er es nur auf Mitarbeiter der TSA-Behörde abgesehen haben. Die Zeitung zitierte einen Reisenden, der in einem Radio-Interview erzählt, dass der Schütze ihn gefragt habe, ob er für die TSA arbeite. Er habe das verneint, dann sei der Mann weitergelaufen.

Dem Sender CNN zufolge hat die TSA über 2000 Mitarbeiter in Los Angeles. Das Sicherheitspersonal ist unbewaffnet. Bei dem Toten handle es sich um den ersten TSA-Beamten, der am Arbeitsplatz getötet wurde, sagte Bürgermeister Garcetti. Er habe fünf laute Schüsse gehört und sich sofort hinter einem Kofferband versteckt, schilderte Todd Friedman dem Sender CNN das "sehr beängstigende" und "surreale" Erlebnis. Bis zu zwanzig Schüsse seien gefallen. Menschen hätten einander zugerufen, sich in den Toiletten oder hinter Gegenständen zu verstecken, erzählen Augenzeugen. Ein Mann gibt an, dass er Koffer zum Schutz aufgestapelt und sich dahinter verbarrikadiert habe. Auch Flugreisende, die das Drama nicht hautnah erlebten, spürten die Auswirkungen. Tausende Passagiere saßen stundenlang in Wartehallen, auf Landebahnen, auf Zufahrtsstraßen und in umliegenden Hotels fest. Das Chaos auf dem Flughafen mit dem drittgrößten Passagierbetrieb in den USA war perfekt.

746 Flugzeuge seien betroffen gewesen, teilte die Flughafenleitung mit. Viele Maschinen mit Ziel Los Angeles hoben gar nicht erst ab. Andere wurden umgeleitet oder harrten auf den LAX-Startbahnen aus. Freitagnacht war Terminal 3 für Ermittlungen weiter gesperrt. Nur langsam lief der Flugverkehr wieder an. Wo gewöhnlich Autos, Taxis und Busse verkehren, waren Reisende auf leeren Zubringerstraßen zu Fuß unterwegs. Via Twitter riet die LAX-Verwaltung den Passagieren, zum Flughafen zu laufen. Hotels im Umkreis des Flughafens füllten sich schnell. Die stundenlange Warterei stellte die Betroffenen auf eine Geduldsprobe. "Es ist einer der größten Flughäfen der Welt, und sie lassen es nicht zu, dass die Leute ihr Leben fortsetzen", schimpfte der Kalifornier Francis Specker laut der "Los Angeles Times". Er war am Morgen für einen Trip nach New York gerade in einem Buszubringer, als der Flughafen gesperrt wurde. Am Abend saß er - wie tausende Passagiere - immer noch in Los Angeles fest.

dpa

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