Überschwemmungen auf Mittelmeerinsel

Tote nach Unwetter auf Sardinien

+
Foto: Der Zyklon „Cleopatra“ hat auf der italienischen Mittelmeerinsel Sardinien mindestens zwölf Menschen in den Tod gerissen.

Cagliari - Sintflutartige Regenfälle haben auf der Mittelmeerinsel Sardinien eine Spur der Zerstörung hinterlassen. Flüsse werden zu reißenden Fluten. Straßen sind unpassierbar, Brücken stürzen ein. Mindestens 18 Menschen sterben.

Schwere Unwetter haben auf der italienischen Urlauberinsel Sardinien gewütet und 18 Menschen in den Tod gerissen. Tausende mussten wegen der sintflutartigen Regenfälle ihre Wohnungen verlassen, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Straßen wurden überschwemmt, Orte von der Außenwelt abgeschnitten. Hunderte Rettungskräfte waren auch am Dienstag unermüdlich im Einsatz.

Italiens Ministerpräsident Enrico Letta sprach von einer "nationalen Tragödie". Der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, rief in Straßburg zu einer Gedenkminute auf.

Am Dienstag war die offizielle Opferzahl ständig gestiegen: Umweltminister Andrea Orlando bestätigte am Nachmittag die Zahl von 18 Toten. So starben etwa ein Polizeibeamter sowie ein Ehepaar und eine weitere Frau beim Einsturz einer Brücke.

Die Unwetterfront "Cleopatra" war am Montag über die Mittelmeerinsel gezogen und hatte Flüsse in reißende Fluten verwandelt. Straßen wurden unpassierbar, Züge konnten nicht weiterfahren. Flüge und Fähren waren verspätet. Teilweise fiel der Strom aus. Schulen und Behörden blieben vielerorts geschlossen. Verletzte wurden in Krankenhäuser gebracht. Ein großer Teil der rund 55 000 Einwohner zählenden Stadt Olbia im Norden der Insel stand unter Wasser. Teilweise fiel der Strom aus. Der Flughafen der Stadt war vorübergehend gesperrt worden. Die Höhe der Schäden blieb zunächst unklar.

Die Regierung von Ministerpräsident Letta verhängte den Ausnahmezustand und kündigte Soforthilfen von 20 Millionen Euro an. Der Präsident der Region, Ugo Cappellacci, sagte in einem Telefoninterview mit Rai News: "Die Situation ist leider wirklich dramatisch." EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso zeigte sich "zutiefst geschockt" und drückte den Familien sein Mitgefühl aus.

Zwei Frauen im Alter von 64 und 90 Jahren kamen in ihren überschwemmten Wohnungen ums Leben. Aus einem Keller in der Kleinstadt Arzachena wurde eine vierköpfige brasilianische Familie tot geborgen, wie die Ansa berichtete. Eine Mutter wurde mit ihrer Tochter im Auto von den Fluten mitgerissen, für beide kam jede Hilfe zu spät.

Hat das Alarmierungssystem funktioniert?

Hatten die Behörden rechtzeitig vor der Tragödie gewarnt und entsprechend gehandelt? Der Chef des italienischen Zivilschutzes, Franco Gabrielli, behauptete, das Alarmierungssystem habe gut funktioniert. Der PD-Abgeordnete Michele Anzaldi sagte dazu aber: "Die Wetterwarnung des Zivilschutzes ist am Sonntagnachmittag in Umlauf gebracht worden. Was ist danach in dem Gebiet geschehen?" Zudem wurde Kritik laut, es sei zu wenig auf Hochwasserschutz geachtet worden. Die Versiegelung von Flächen verschärfe die Gefahren, warnte die Tourismus- und Kulturministerin Ilaria Borletti. Ein besserer Schutz des Landes sei unverzichtbar.

Auch in anderen Regionen Italiens gab es wolkenbruchartige Regenfälle. Sturm behinderte teilweise den Fährverkehr. Vor allem in Teilen Kalabriens gab es Regenfälle und schwere Schäden. Straßen waren wegen Schlamms unpassierbar, in vielen Kommunen blieben die Schulen am Dienstag geschlossen, in ihren Autos eingeschlossene Menschen mussten gerettet werden.

Die Mittelmeerinsel Sardinien

Die italienische Mittelmeerinsel Sardinien ist mit 23 800 Quadratkilometern etwa so groß wie Mecklenburg-Vorpommern und hat 1,6 Millionen Einwohner. Sie liegt zwölf Kilometer südlich der französischen Nachbarinsel Korsika. Das italienische Festland ist dagegen mit etwa 200 Kilometern weiter entfernt als Nordafrika.

Einst galt Sardinien als Armenhaus Italiens. Ein Strukturwandel mit der Modernisierung der Landwirtschaft und Industrieansiedlungen (Öl- Verarbeitung, chemische Industrie) stoppte die Abwanderung von Sarden auf das Festland. Der Tourismus ist mit rund 2,4 Millionen Besuchern im Jahr ein wichtiger Wirtschaftszweig, 2011 kamen 218 000 Deutsche.

dpa

2230543

Kommentare