Gondelunfall in Venedig

Toter war offenbar ehemaliger Richter

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Foto: Am Wochenende kam es zu einem tödlichen Unfall während einer Gondelfahrt in Venedig.

Venedig - Nach dem Gondelunfall in Venedig denkt die Stadt über mehr Verkehrssicherheit nach. Der tote Deutsche hat bis vor einiger Zeit als Richter in Stuttgart gearbeitet, danach wohl als Juraprofessor in München.

Der am Wochenende bei einem Gondelunfall in Venedig ums Leben gekommene Tourist war bis vor einiger Zeit Richter am Oberlandesgericht (OLG) in Stuttgart. Das bestätigte ein Sprecher des Gerichts am Montag. Noch 2012 habe der Mann dort gearbeitet, dann als Juraprofessor an der Münchner Universität. Venedig will aus dem Unfall Lehren ziehen und die Verkehrssicherheit erhöhen.

Der 50 Jahre alte Münchner hatte am Sonnabend mit seiner Familie eine Fahrt auf dem Canale Grande unternommen, als die Gondel nahe der weltbekannten Rialto-Brücke mit einem Vaporetto-Wasserbus zusammenstieß. Der Familienvater und der Gondoliere stürzten ins Wasser, dann wurde der Mann zwischen der Fähre und einem Pier zerdrückt. Seine kleine Tochter erlitt eine Gehirnerschütterung und Verletzungen im Gesicht. Die Ehefrau und die beiden Söhne des Paares blieben unverletzt. Eine Gondel-Fahrt zählt zu den beliebtesten Attraktionen in Venedig.

Gondeln, Wasserboote (Vaporetti), Wasser-Taxis und Frachtschiffe verstopfen den zentralen Verkehrsweg der Lagunenstadt immer mehr. Der Verkehr habe im Laufe der Jahre sehr zugenommen, sagte Venedigs Bürgermeister Giorgio Orsoni der Turiner „La Stampa“ (Montag). Ihm schwebt jetzt vor allem vor, private Gondeln nur zu bestimmten Zeiten fahren zu lassen, da der öffentliche Verkehr in Venedig Vorrang habe.

„Man könnte an einigen Punkten die Anlegestellen verlegen, so an der Rialto-Brücke, wo öffentliche Verkehrsmittel, Gondeln und Taxis festmachen“, sagte der Bürgermeister dem „Corriere della Sera“. Er denkt auch daran, bestimmte Zeitfenster für die Gondelfahrten auf dem Canale Grande festzulegen, der zu den meistbefahrenen Wasserstraßen in Italien zählt. Klar ist für Orsoni, dass öffentlicher Verkehr - also der Wasserbus - in der Lagunenstadt vorgeht. Denkbar wäre es zudem, die Boote mehr auf dem abgelegeneren Giudecca-Kanal fahren zu lassen.

Die Gespräche über neue Regeln für den Wasserverkehr sollten noch am Montag beginnen, sie dürften erfahrungsgemäß schwierig sein. Der Gondoliere-Präsident Nicola Falconi hat sich bereits gegen Fahrzeiten ausgesprochen, denn die Gondeln seien nicht die Gefahr auf dem Canal.

dpa

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