Pilzsammler

Trägt Klinik Schuld am Tod zweier Frauen?

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Mitunter gefährliches Hobby: Pilzesammelr in Niedersachsen.

Wolfsburg - Zwei Pilzsammlerinnen sind in Wolfsburg gestorben, weil sie vermutlich hochgiftige Pilze gegessen haben. Jetzt ermittelt die Polizei, ob das Krankenhaus mitverantwortlich für den Tod der 86-Jährigen und ihrer 57 Jahre alten Tocher ist.

Nach dem Tod von zwei Pilzsammlerinnen aus Wolfsburg-Westhagen prüft die Polizei, ob das Krankenhaus eine Mitschuld am Tod der beiden Frauen trägt. Dies seien reine Routineermittlungen wie in solchen Fällen üblich, sagte ein Polizeisprecher gestern. Ins Rollen gekommen war der Fall durch die Aussage eines Taxifahrers, der die 86-jährige Mutter und ihre 57-jährige Tochter nach dem Besuch im Wolfsburger Klinikum zunächst wieder nach Hause gefahren hatte.

Die beiden Frauen, zwei Russlanddeutsche, hatten Anfang Oktober im Wald Pilze gesammelt und abends verzehrt. Vermutlich hatten sie von dem hochgiftigen Knollenblätterpilz gegessen. Am nächsten Tag klagten Mutter und Tochter über starke Übelkeit und meldeten sich in der Notaufnahme des Krankenhauses. Dort wurden sie aber offenbar wieder nach Hause geschickt. Als es den beiden Frauen am Folgetag noch schlechter ging, fuhren sie wieder ins Klinikum. Dieses Mal wurden sie stationär aufgenommen, aber offenbar zu spät. Die 57-Jährige wurde in die Medizinische Hochschule Hannover gebracht, wo sie starb. Ihre Mutter starb vier Tage später.

Ob die Frauen tatsächlich an einer Pilzvergiftung starben, ist noch nicht sicher. Nach Angaben eines Polizeisprechers steht der chemisch-toxikologische Befund noch aus. Aber alle Anzeichen sprächen wohl dafür. Das Klinikum veröffentlichte am Sonntag eine Stellungnahme auf seiner Homepage. Darin heißt es, beim Verdacht auf eine Vergiftung würden immer eine Reihe von Maßnahmen getroffen. Dazu gehöre auch die Einbeziehung eines oder mehrerer Fachärzte, die teelfonsiche Rücksprache mit dem Giftinforamtionszentrum Nord in Göttingen und die Einbeziehung eines externen Pilzexperten. Erst danach werde entschieden, ob die Patienten stationär oder ambulant behandelt würden. Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD) erkärte, nach seinen Erkenntnissen hätten die Ärzte alles Notwendige getan.

Von Kevin Nobs

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