Schlafwagen des früheren DDR-Chefs ist jetzt Hotel

Träumen in der „Honi-Herberge"

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Foto: Holger Hempel vermietet nun Kabinen in Erich Honeckers ehemaligem Regierungszug an Schlafgäste.

Gadebusch - Es ist nicht der Sonderzug nach Pankow, von dem Udo Lindenberg einst sang und den er für einen Besuch bei Erich Honecker charten wollte. Auf dem Abstellgleis in Gardebusch (Mecklenburg-Vorpommern) lädt der frisch renovierte Schlafwagen des letzten Generalsekretärs der SED zum Übernachten ein.

Ein Vierteljahrhundert nach dem Ende der DDR hat die „Honi-Herberge“ eröffnet, die ersten Gäste übernachteten am Wochenende in den frisch bezogenen Klappbetten. Bis Oktober gebe es Vorbuchungen, berichtet Unternehmer Holger Hempel, der den Salon-Schlafwagen renoviert hat.

DDR-Liebhaber, Eisenbahnfans, aber auch Wanderer und Radfahrer aus anderen Bundesländern, aus Holland, Italien und Spanien hätten sich angemeldet. „Dabei müssen sie auf eine ganze Menge Luxus verzichten“, weiß Hempel. Denn den alten Schlafwagen habe er originalgetreu saniert und auf jedweden geschichtsverfälschenden Komfort verzichtet. „Sonst geht der ganze Flair ja verloren, der Wagen wäre nicht mehr authentisch“, sagt er.

Außen wieder im tarnfarbenen Tannengrün gestrichen, gibt es in dem einst „staatstragenden“ Waggon sechs Doppelkabinen mit Waschbecken, dazu für alle Passagiere zwei Toiletten und eine Dusche. Kein Schnickschnack in den Abteilen, nur ganz sparsam Tisch, Schrank, Kleiderhaken im Stile der Siebziger. Die Technik allerdings, die sei was besonderes, meint Hempel. Die funktionstüchtige Heizung und Schaltzentrale samt Gegensprechanlage im Dienstabteil, vieles davon Westimport – „das ist dann mal so wie früher“.

Der 1969 für die Regierungssonderzüge der DDR in Görlitz gebaute Wagen mit der Nummer 6150-7080-106-8 hat nicht nur unzählige Kilometer in den Rädern, sondern auch eine bewegte Historie. Zunächst ausrangiert, rollte er quer durch Osteuropa, doch die Nostalgietouren „Reisen wie die Roten Preußen“ rentierten sich nicht. Am Ende kam der 25 Meter lange und 58 Tonnen schwere „Honi-Schlafwagen“ per Schwerlasttransport auf den verschlafenen Bahnhof der westmecklenburgischen Kleinstadt. Eine würdige Endstation.

Harald John (mit dpa)

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