Absage aus Bad Iburg

Traum von der Landesgartenschau ist verblüht

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So war es letztes Jahr: Zur Gartenschau in Papenburg kamen zwar viele Besucher – sie schloss aber mit einem Defizit.

Hannover - Die für 2018 geplante Landesgartenschau im Kreis Osnabrück findet nicht statt. Die Ausrichterstadt Bad Iburg hat aus Kostengründen die Notbremse gezogen – und lässt die Veranstaltung ausfallen. Mit dem Geld soll lieber in Schulen und Straßen investiert werden, entschied der städtische Rat.

Gerade erst war die Nachricht vom finanziellen Desaster der Papenburger Landesgartenschau im vergangenen Jahr verdaut, da wurde die Landesregierung erneut überrascht: Die Gemeinde Bad Iburg (Kreis Osnabrück), die bereits den Zuschlag für die nächste Landesgartenschau im Jahr 2018 erhalten hatte, strich am Donnerstagabend bei einer Ratssitzung sämtliche Geldmittel für das Projekt. „Damit fällt die Landesgartenschau aus“, sagte Bürgermeisterin Annette Niermann (Grüne).

Ob und wo die Landesgartenschau 2018 stattfindet und wie es mit diesen Veranstaltungen weitergehen soll, ist dadurch erst einmal offen. „Das ist so nicht vorgesehen“, sagte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums. „Man ist davon ausgegangen, dass eine Gemeinde, wenn sie den Zuschlag erhalten hat, auch ein Interesse an der Durchführung hat.“

Theoretisch könnte jetzt eine andere Gemeinde die Landesgartenschau übernehmen. Bad Gandersheim (Kreis Northeim) war vor einem Jahr mit seiner Bewerbung knapp dem Bad Iburger Konzept unterlegen. Doch die Gandersheimer wollen nun nicht einspringen. „So kurzfristig würden wir die Stadt überfordern und uns in ein finanzielles Abenteuer stürzen, das wir nicht überstehen würden“, sagte Bürgermeisterin Franziska Schwarz (SPD).

Die Historie

Kurze Tradition: Die erste Bundesgartenschau fand 1951 in Hannover statt – im damals eigens angelegten Stadtpark hinter dem Congress Centrum HCC. Die erste niedersächsische Landesgartenschau liegt dagegen erst 
13 Jahre zurück: Sie wurde 2002 in Bad Zwischenahn veranstaltet. Es folgten 2004 Wolfsburg, 2006 Winsen (Luhe) und 2010 Bad Essen. Die bisher letzte Landesgartenschau war im Jahr 2014 in Papenburg (Emsland). Die Landesgartenschau richtet sich in erster Linie an Orte mit unter 100 000 Einwohnern und soll helfen, dort städtebauliche und touristische Impulse zu setzen.

Die Angst vor der finanziellen Überforderung ist durchaus berechtigt, wie das Beispiel Papenburg gezeigt hat. Die Landesgartenschau zog im vergangenen Jahr zwar rund 500 000 Besucher in die Ems-Stadt - doch im Dezember wurde bekannt, dass die Stadt vermutlich bis zu 2 Millionen Euro mehr aufbringen muss als kalkuliert. Kürzlich hat die Gesellschafterversammlung der Landesgartenschau den Geschäftsführer Lars Johannson abberufen. Dieser habe ohne Genehmigung Verträge für zwei Veranstaltungen unterschrieben, teilte die Stadt Papenburg mit. Bürgermeister Jan Peter Bechtluft (CDU) sagte dazu: „In den vergangenen Monaten ist beim Thema Gartenschau viel zu Bruch gegangen.“

Möglicherweise über die Stadtgrenzen hinaus - denn die Geldsorgen waren auch der Hauptpunkt des Stimmungsumschwungs in Bad Iburg. „Wir waren jetzt an einem Punkt angelangt, an dem wir uns fragen mussten, ob wir die Landesgartenschau finanzieren können“, sagte CDU-Fraktionschef Ludwig Fischer. „Der Mehrheit des Rates wurde nun klar, dass wir uns nicht gleichzeitig die Gartenschau und Investitionen etwa in Bildung und Infrastruktur leisten können.“ Am Ende des Jahres werde die Verschuldung in Bad Iburg bei 1900 Euro pro Kopf liegen. „Wir sind eine arme Stadt“, sagte Fischer. Deshalb habe man diese Entscheidung treffen müssen. Die Enttäuschung in der Gemeinde ist dennoch groß. Mathias Pohlmann vom örtlichen Förderverein sprach von einem „katastrophalen Beschluss“.

Die meisten Landesgartenschauen verliefen bisher jedoch finanziell erfolgreich. Doch auch im Jahr 2009 ist schon einmal eine Gemeinde aus Furcht vor zu hohen Kosten abgesprungen: Das ostfriesische Wiesmoor zog die Notbremse, daraufhin übernahm Bad Essen die Schau. Es könnte also auch diesmal sein, dass sich noch ein Ort für die Blumenschau 2018 findet.

Von Heiko Randermann 
und Kristian Teetz

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