Unfallstatistik 2014

Trotz Blitzermarathon mehr Verkehrstote im Land

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Symbolbild

Hannover - Nach dem deutlichen Anstieg der Verkehrsunfallzahlen im vergangenen Jahr ist eine erneute Debatte um die Blitzermarathons entbrannt. Der Gewerkschaftschef der Polizei in Niedersachsen sagte, dass der Effekt der Kontrollen gleich null sei.

CDU, FDP und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderten die Abschaffung der landes- oder bundesweiten Geschwindigkeitskontrollen. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) plädierte für mehr Geduld, deutete aber auch an, dass er die konzertierten Kontrollen wieder fallen lassen werde, wenn sich der erhoffte Effekt nicht einstelle.

Laut der gestern vorgestellten Unfallstatistik ist 2014 die Zahl der Verkehrstoten in Niedersachsen nach Jahren des Rückgangs erstmals wieder deutlich um 8,6 Prozent (34 Personen) auf 446 Personen angestiegen. Zwei Drittel der tödlichen Unfälle fanden auf Landstraßen statt, fast immer war überhöhte Geschwindigkeit im Spiel. „Zu hohes Tempo ist der Killer Nummer eins“, mahnte Pistorius. Mit mehreren flächendeckenden Blitzermarathons, bei denen Hunderte Polizisten einen ganzen Tag lang die Geschwindigkeit auf den Straßen kontrollieren, will das Land seit 2012 auf das Problem aufmerksam machen.

„Der Effekt ist gleich null“

Doch das Konzept gehe nicht auf, meint Dietmar Schilff, Chef der GdP in Niedersachsen. „Der Effekt ist gleich null. Man sieht, dass Menschen an der Kontrolle vorbeifahren und sofort wieder schneller werden.“ Das gelte erst recht am Tag nach der Kontrolle. Der Blitzermarathon sei „eine für die Medien aufgehübschte Sache“, die vor allem zu viele Polizisten binde. Besser seien ständige, nicht angekündigte Kontrollen. „Das sind Einmaleffekte, die ändern nichts an der Unfallstatistik“, sagte auch Thomas Adasch (CDU). Jörg Bode (FDP) stellte ebenfalls den Nutzen der Blitzermarathons infrage: „Der Beitrag zur Unfallvermeidung ist überschaubar“, meint der Liberale. Besser sei es, in die Aufklärung zu investieren.

Kontinuierliche Kontrolle statt Blitzer-Marathon?

Auch die niedersächsische Landesvorsitzende der Grünen, Meta Jansen-Kucz, sagte, es sei besser, kontinuierlich zu kontrollieren, statt große konzertierter Aktionen an einem einzigen Tag durchzuführen. Minister Pistorius bat dagegen um Geduld. Es habe jahrelange Aufklärungsarbeit gebraucht, bis die Zahl der Alkoholfahrten spürbar zurückgegangen sei. „Wir werden nicht umhinkommen, auch bei Raserei diesen langen Atem zu haben“, so Pistorius. Nach bislang drei länderübergreifenden Blitzermarathons könne man daher noch nicht sagen, ob es einen Effekt auf das Fahrverhalten der Menschen gebe. „Wenn man aber nach zehn Blitzermarathons zu der Erkenntnis kommt, es sorgt für keine Verhaltensänderung, dann bin ich der Erste, der ihn infrage stellt“, sagte der Minister.

Von Heiko Randermann

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