Prüfung durch Staatsanwaltschaft

Umfang des Organspende-Skandals weiter unklar

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Noch immer ist das ganze Ausmaß des Transplantationsskandals an der Göttinger Uniklinik nicht geklärt.

Göttingen - Die Nachforschungen im Transplantationsskandal sind langwierig. Noch ist den Fahndern der Umfang unklar. Neben zwei Ärzten steht auch eine Lüdenscheider Firma im Visier der Justiz. Möglicherweise hat sie Geld für die schnelle Behandlung eines Ausländers an die Ärzte gezahlt.

Der tatsächliche Umfang des Göttinger Transplantationsskandals ist den Ermittlern weiter unklar. Neben 23 konkreten Verdachtsfällen der beiden Vorjahre werde ebenfalls Hinweisen auf Ungereimtheiten in weiter zurückliegenden Jahren nachgegangen, sagte Staatsanwältin Serena Stamer am Dienstag. Ob diese sich erhärten ließen, stehe noch nicht fest. Außer gegen zwei Klinikärzte wird auch gegen eine Firma im nordrhein-westfälischen Lüdenscheid ermittelt, die einen ausländischen Patienten an die Klinik vermittelt haben soll. Beim bisherigen Ermittlungsstand sei mit einer Stellungnahme der Verdächtigten oder ihrer Verteidiger nicht zu rechnen, sagte Stamer.

Die beiden Ärzte stehen im Verdacht, Patienten mit manipulierten Daten auf der Warteliste für Spenderorgane nach oben gemogelt und ihnen damit eine verschnellte Transplantation ermöglicht zu haben. Ob sie dafür Geld kassierten oder das Leben anderer Patienten aufs Spiel setzten, müssen die wegen Bestechlichkeit und fahrlässiger Tötung geführten Ermittlungen ergeben. Die Lüdenscheider Firma muss sich Bestechung vorwerfen lassen, falls sich der Verdacht erhärtet, dass sie für die Transplantation bei dem ausländischen Patienten Geld an die Mediziner gezahlt hat. Das Vermitteln des Patienten selber ist nicht strafbar, in beschränktem Umfang können auch Menschen aus dem Ausland für eine Transplantation in Deutschland in Anmerkung kommen.

In dem Skandal sieht die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) mögliche Versäumnisse in Bayern. Den ersten Vorwürfen aus dem Jahr 2006 sei nicht genügend nachgegangen worden, kritisierte der Medizinische DSO-Vorstand, Prof. Günter Kirste. Der in den Skandal verwickelte Mediziner sei schon einmal in Regensburg aufgefallen, aber damals nicht zur Rechenschaft gezogen worden. „Wenn man den Vorfall damals ernst genommen und verfolgt hätte, wäre es wahrscheinlich nicht so weit gekommen“, sagte Kirste, der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft forderte unterdessen Änderungen im Vergütungssystem für Klinikärzte. Finanzielle Anreize, einzelne Operationen oder andere Leistungen in möglichst hoher Zahl durchzuführen, sollten abgeschafft werden., sagte der Präsident der Gesellschaft, Alfred Dänzer, der „Berliner Zeitung“. Dennoch sollten die Mediziner weiterhin am finanziellen Gesamterfolg teilhaben.

Unterdessen belastet der Transplantationsskandal zunehmend die Beschäftigten der Uniklinik. Die Arbeit müsse weitergehen, aber die Gesamtsituation sei belastend, sagte Kliniksprecher Stefan Weller am Dienstag. Mitarbeiter würden auch in ihrem privaten Umfeld auf die möglichen Unregelmäßigkeiten bei Transplantationen angesprochen. Im Transplantationszentrum selber gehe die Arbeit indes ganz normal weiter.

dpa

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