Tiergehege aufgebrochen

Unbekannte lassen Luchse frei

+
Foto: Eine Attraktion im Harz: Die Luchsin Alice ist verschwunden, Ellen konnte inzwischen wieder eingefangen werden.

Bad Harzburg - Unbekannte haben drei Luchsen aus dem beliebten Schaugehege im Harz zum Ausbruch verholfen. Sie schnitten mit einem Bolzenschneider große Löcher in den inneren wie den äußeren Zaun der Anlage bei Bad Harzburg, durch die die Tiere dann entweichen konnten.

Eines der drei Tiere konnten die Nationalparkmitarbeiter am späten Donnerstagnachmittag wieder einfangen. Ein Wanderer entdeckte die Luchsin Ellen etwa einen Kilometer vom Gehege entfernt. Sie sei ganz zutraulich gewesen, berichtete der Leiter des Harzer Luchsprojektes, Ole Anders. Man habe sie nicht einmal narkotisieren müssen. „Wir konnten sie einfach mit einem Stück Fleisch in die Falle locken.“

Anders zeigte sich dennoch schockiert über Befreiungsaktionen, hinter der er selbst ernannte Tierschützer vermutet. Die Tat habe sich vermutlich am späten Dienstagnachmittag oder Abend ereignet. Um 16 Uhr hätten Nationalparkmitarbeiter die drei Luchse Alice, Ellen und Paul noch in ihrem gemeinsamen Gehege gesehen.

Offenbar waren die Jungtiere sehr schnell auf die Lücke im Zaun aufmerksam geworden. Gegen 21 Uhr habe ein Wanderer einen Luchs vor der Anlage beobachtet, sagte Anders. Als Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung das Gehege aufsuchten, entdeckten sie die Löcher im Zaun. Von den drei Luchsen fehlte jede Spur.

Die Tiere waren erst Anfang des Jahres in das Schaugehege eingezogen. Die beiden weiblichen Luchse stammen aus dem Tierpark Mönchengladbach, der männliche Luchs aus dem Bielefelder Tierpark Olderdissen. Sie sollten den im vergangenen Jahr im Alter von 19 Jahren verstorbenen Luchs Attila ersetzen. Dieser war bis dahin die Hauptattraktion des Schaugeheges gewesen und galt als meistfotografierter und meistgefilmter Luchs Deutschlands.

Die Nationalparkverwaltung hat inzwischen Strafanzeige gegen unbekannt erstattet. Anders machte darauf aufmerksam, dass die Täter den befreiten Luchsen ganz bestimmt keinen Gefallen getan hätten. Die Tiere stammten aus Gehegen und seien ein Leben in Freiheit überhaupt nicht gewohnt. Jetzt müssten sie sich gegenüber frei lebenden Artgenossen im Harz behaupten. „Das wird keine einfache Zeit für sie“, sagte der Luchsexperte.

Vor zehn Jahren waren schon einmal zwei Luchse aus dem Gehege entkommen. Damals war bei einem Sturm eine Fichte umgestürzt und hatte den 
3,50 Meter hohen Maschendrahtzaun niedergedrückt. Ein Tier konnten die Nationalparkmitarbeiter kurz darauf wieder einfangen, der zweite ausgebüxte Luchs blieb verschwunden.

Von Heidi Niemann

Kommentare