Flug MH370

122 unbekannte Objekte gesichtet

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Seile, etwas Blaues, aber nichts Genaues: Satellitenbilder zeigen am Mittwoch mögliche Hinweise auf Teile der Boeing 700 – mehr nicht.

Kuala Lumpur - Sind es nun Wrackteile oder nicht? Die Luftsuche nach Flug MH370 stößt an ihre Grenzen.

Neue Satellitenbilder haben den Helfern im Indischen Ozean Hoffnung gemacht, bald Wrackteile des malaysischen Flugzeugs zu finden. Bislang ist aber keines entdeckt worden. Zwei Flugzeugcrews sichteten am Mittwoch zwar Objekte. Eine berichtete von etwas wie Seilen, die andere sah etwas Blaues – Konkretes fanden Schiffe jedoch nicht. Auf den Satellitenaufnahmen seien 122 Teile zu erkennen, sagte der malaysische Verkehrsminister Hishammuddin Hussein.

Die Objekte wurden in einem 400 Quadratkilometer großen Gebiet von einem französischen Satelliten 2500 Kilometer südwestlich von Perth in Australien aufgenommen. Sie sind zwischen einem und 23 Meter groß. „Wir haben nun vier Bildserien von Satelliten aus Australien, China und Frankreich, auf denen mögliche Wrackteile zu sehen sind“, sagte Hussein. „Nun müssen die Trümmer in Verbindung mit Flug MH-370 gebracht werden.“ Wegen schlechten Wetters konnte bislang keines der Trümmerstücke geborgen werden. Damit steht ein endgültiger Beweis über den Verbleib des Flugzeugs und der 239 Menschen an Bord immer noch aus.

Australiens Premierminister Tony Abbott ließ durchblicken, dass die Suche nicht unbegrenzt fortgesetzt werden kann. „Wir suchen weiter, weil wir es den Menschen schuldig sind, alles zu tun, um dieses Rätsel zu lösen“, sagte Abbott am Mittwoch im Parlament. Der Einsatz eines einzigen Aufklärungsflugzeugs kostet nach Schätzungen mehr als 60.000 Euro am Tag.

In der australischen Hafenstadt Perth wurden amerikanische Spezialgeräte für die Suche nach den Flugschreibern, den sogenannten Blackboxes, vorbereitet. Eine Tauchdrohne und ein spezieller Sensor für die Geräte sollen von einem Schiff der australischen Marine ins Suchgebiet im Indischen Ozean gebracht werden. Der Stimmenrekorder und der Flugdatenschreiber zeichnen Gespräche im Cockpit sowie Flugmanöver auf. Nach Angaben der malaysischen Regierung soll das Schiff die mutmaßliche Absturzstelle erst am 5. April erreichen. Damit blieben für die Suche mit den Spezialgeräten nur ein paar Tage Zeit. Experten gehen davon aus, dass die Blackbox nur noch über einen begrenzten Zeitraum Signale sendet, da dann die Batterien aufgebraucht sind.

Juristen aus Chicago bereiten derweil eine Klage gegen die Fluggesellschaft und den Flugzeugbauer vor. Die Anwaltskanzlei Ribbeck Law verfolgt die Annahme, es habe einen Baufehler an der Maschine oder ein technisches Versagen gegeben – oder die Fluggesellschaft treffe ein Verschulden beim Verschwinden der Boeing. Sie rechneten damit, die Familien von mehr als der Hälfte der Passagiere zu vertreten. Vor einem Gericht im Bundesstaat Illinois sei bereits ein Antrag gestellt worden, um mögliche Konstruktions- oder Herstellungsmängel der Boeing 777 feststellen zu können. Als Kläger will zunächst der indonesische Anwalt Januari Siregar auftreten, dessen 25-jähriger Sohn Firman an Bord der Unglücksmaschine war. Neben Entschädigung in Millionenhöhe für die Hinterbliebenen soll von Boeing auch eine Überarbeitung der gesamten 777er-Flotte gefordert werden.

Nachgefragt bei Sylvain Pascaud

Pascaud ist Tiefseetechniker und Experte für die Suche in 6000 Metern Meerestiefe. Zur Suche nach dem Flug MH370 äußert er sich in einem Interview:

Wie wahrscheinlich ist es, dass mehr als zwei Wochen nach dem Absturz Trümmer gefunden werden? Im Fall der Air-France-Maschine, die im Jahr 2009 auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris in den Atlantik stürzte, wurde ein Großteil des Trümmerfeldes sechs Tage nach dem Absturz entdeckt. Es war wie ein ganzes Bündel, sodass es aus der Luft leicht zu finden war. Was im aktuellen Fall Sorgen macht – abgesehen von dem Umstand, dass wir absolut keine Idee haben, was die letzte Position des Flugzeugs war –, ist, dass sich das Trümmerfeld mit der Zeit verstreuen und sinken wird. So wird es mit jedem Tag schwerer werden, irgendetwas von der Luft aus zu finden.

Wie gut stehen die Chancen, die Blackboxen zu finden? Wenn man heute ein Wrackteil fände, wäre es mehr als zwei Wochen lang in der See gedriftet, sodass man seinen Weg berechnen und zurückverfolgen müsste. Wenn man das Suchgebiet hat, kann man wie bei der Suche nach der Air-France-Maschine Tauchfahrzeuge einsetzen. Datenrekorder können zwei bis drei Jahre im Wasser bleiben, sie sind sehr gut geschützt. Aber: Man braucht Wrackteile.

Die US-Marine sendet ein Spezialgerät, das helfen soll, die Blackbox zu lokalisieren. Wie effektiv sind solche Geräte in tiefen Gewässern? Es ist sehr gut in flachen Gewässern, wenn es 1000 Meter oder weniger in die Tiefe geht und man das Signal der Box sehr gut hören kann. Um das Gerät zu ziehen, muss das Kabel ungefähr dreimal so lang sein wie die Tiefe des Meeres. Wenn es 3000 oder 4000 Meter sind, braucht man ungefähr 9000 Meter Kabel. Entsprechend könnte das Signal in der Zeit, die es braucht, um vom Kabel zum Boot zu gelangen, schon sehr schwach geworden sein. Im Fall der Air-France-Maschine hatten wir zwei Boote, die 30 Tage lang mit der richtigen Abhörausrüstung suchten – und wir hörten nichts.

Wenn die Blackboxen kein Signal mehr geben, wie sucht man dann? Das hängt vom Gelände ab. Wenn es flach ist, kann man mit einem Schleppsonar hinten an einem Boot rund um die Uhr suchen. Bei der Air-France-Maschine setzten wir die Remus-U-Boote ein. Sie funktionieren autonom. Wir haben das Flugzeug in nur neun Tagen gefunden. Aber das war bei unserem dritten Suchanlauf.

dpa/rtr

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