Seltsames Vogelsterben

Unbekannte töten Tauben und Greifvögel mit Gift

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Foto: Etwa 80 tote Tauben und Greifvögel fand die Polizei am Rand eines Rapsfeldes im Emsland.

Hilkenbrook - Tauben können eine Delikatesse sein. Vorausgesetzt, sie sind richtig zubereitet und nicht mit giftigen Zutaten belastet. Im Landkreis Emsland warnt die Polizei jetzt nachdrücklich vor dem Verzehr der Vögel aus freier Wildbahn. Der Grund für diese Warnung mitten in der Jagdsaison ist ein merkwürdiges Vogelsterben in der Gemeinde Hilkenbrook.

Am Rande eines Rapsfeldes entdeckten Anwohner zahlreiche tote Tauben und Greifvögel. Die Tiere wurden offenbar vergiftet. Die Polizei ermittelt jetzt gegen unbekannt wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

Gut 800 Einwohner zählt das Dorf Hilkenbrook. Über die nahe Bundesstraße 401 ist es nicht weit nach Papenburg und Oldenburg. Gleich in der Nachbarschaft des Sportplatzes hat ein Landwirt ein Rapsfeld angelegt. Die grünen Pflanzen schauen erst wenige Zentimeter aus der Erde. Am Rande des Ackers machten mehrere Anwohner eine irritierende Entdeckung und verständigten den Jagdpächter, der dann die Polizei alarmierte: Etwa 80 tote Tauben und verendete Greifvögel zählten die Ermittler.

Außerdem fanden sie verdächtige blaue Körner auf dem Rapsfeld, die offenbar frisch ausgestreut worden waren. Experten der Tierärztlichen Hochschule in Hannover untersuchten zwei der verendeten Vögel und analysierten „hochgiftige Stoffe“ als Todesursache, erklärte Polizeisprecher Achim van Remmerden.

Außerdem stießen die Ermittler auf frische Treckerspuren auf dem Feld. Wahrscheinlich seien die giftigen Körner mit einem Kreiselstreuer aufgebracht worden, vermuten nach einer Ortsbesichtigung Experten der Landwirtschaftskammer in Oldenburg. Der Landwirt, dem das Rapsfeld gehört, bestreitet bislang, irgendetwas mit dem Tod der Vögel zu tun zu haben. Er will zuletzt Mitte Oktober 2012 das Feld mit einem Trecker befahren haben, teilte die Polizei mit.

Tauben sorgen offenbar immer mal wieder für Ärger bei vielen Landwirten: „Vögel in größeren Mengen können einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden anrichten“, sagt auf Nachfrage Walter Hollweg von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Schwärme von 100 und mehr Tieren können auf einen Acker niederfallen, berichten Experten. Vor allem Raps, aber auch anderes Getreide schmeckt den Vögeln.

In der Zeit zwischen dem 1. November und dem 20. Februar ist in Niedersachsen die Jagd auf Ringeltauben erlaubt. Ausnahmen zur Schadensabwehr sind möglich.

Bernhard Remmers

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