Freude in Höxter

Unesco ernennt Kloster Corvey zum Weltkulturerbe

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Foto: Das Kloster Corvey stand seit 1999 auf der Warteliste für Welterbestätten der deutschen Unesco-Kommission.

Doha/Höxter - Deutschland hat ein weiteres Weltkulturerbe. Die Unesco nimmt das Kloster Corvey im westfälischen Höxter auf die besondere Liste. Damit erhöht sich die Zahl dieser Stätten in Deutschland auf 39.

Die Unesco hat das Kloster Corvey im westfälischen Höxter zum Weltkulturerbe ernannt. Das gab die Kulturorganisation der Vereinten Nationen am Samstag in Doha im Golfstaat Katar bekannt. Deutschland hatte die im Jahr 822 gegründete Benediktinerabtei nominiert. Die Abtei gehörte zum geistigen und religiösen Zentrum des damaligen Frankenreichs. Die Anlage stand seit 1999 auf der Warteliste für Welterbestätten der deutschen Unesco-Kommission.

Einstiges Zentrum des Frankenlandes

Die Errichtung des Klosters Corvey geht zurück auf Ludwig den Frommen, der ab dem Jahr 822 gemäß dem Wunsch seines Vaters Karl des Großen an der Weser eine mächtige Reichsabtei errichten ließ. Von hier aus sollte die karolingische Herrschaft im kurz zuvor eroberten Sachsenland gefestigt und die Christianisierung vorangetrieben werden. Im 10. Jahrhundert erlebte das Kloster eine Blütezeit als eines der wichtigsten politischen und geistlichen Zentren des Frankenlandes.

Später verlor es an Bedeutung und ging nach der Säkularisierung in Privatbesitz über. Bis heute erinnert das im 12. Jahrhundert umgestaltete und nahezu original erhaltene Westwerk mit den beiden flankierenden Türmen an Prachtentfaltung und Machtanspruch der Erbauer. Die roten Türme überragen die langgestreckten weißen Gebäude der übrigen Klosteranlage. Diese war nach einem verheerenden Brand ab 1699 im Stil einer barocken Schlossanlage wieder aufgebaut worden. Auf dem Gelände befindet sich auch die Bibliothek. Seit den Anfängen im Scriptorium, der Schreibschule des Benediktinerklosters, gingen im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Bücherschätze durch Raub, Feuer und Ignoranz verloren. Im 19. Jahrhundert entstand die Fürstliche Bibliothek. Der Dichter August Hoffmann von Fallersleben (1798-1874) verbrachte seine letzten Lebensjahre als Bibliothekar in Corvey.

Zuvor hatte das Unesco-Welterbekomitee bereits das Fabrikgebäude Van Nelle im niederländischen Rotterdam, die Seiden-Fabrik in Tomioka in Japan, die Zitadelle von Arbil im Irak sowie das historische Dschidda in Saudi-Arabien zum Weltkulturerbe bestimmt. Insgesamt gibt es fast 1000 Welterbestätten, in Deutschland sind es nun 39. Zuletzt war für die Bundesrepublik der Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel aufgenommen worden.

Auf der Warteliste stehen unter anderem die Speicherstadt in Hamburg und das Heidelberger Schloss. Die nächste Tagung des Unesco-Welterbekomitees ist 2015 in Bonn geplant.

dpa

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