Nach Explosion 2014

Unglücksfirma will Ritterhude verlassen

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Osterholz - Das Chemie-Unternehmen Organo Fluid will die bei einer Explosion in Ritterhude (Kreis Osterholz) zerstörte Entsorgungsanlage wieder aufbauen – allerdings nicht am alten Standort. Das Unternehmen ist im Landkreis Osterholz nicht mehr willkommen und will Niedersachsen nun ganz verlassen.

Dem Unternehmen sei vonseiten des Landkreises Osterholz signalisiert worden, dass man nicht mehr willkommen sei, sagte Unternehmenssprecher Hansgeorg Klose: „Es ist der Organo klar, dass sie im Landkreis keine Perspektive mehr hat.“

Das Unternehmen suche deshalb jetzt nach einem neuen Standort für die Entsorgungsfirma für chemische Abfälle. „Es gibt konkrete Gespräche“, sagte Klose, ohne Städte oder Regionen zu nennen. Dabei beschränke sich die Firma nicht auf Niedersachsen, sondern ziehe Standorte in mehreren Bundesländern in Betracht.

Keine Ansiedlung in Niedersachsen

Der „Weser-Kurier“ aus Bremen hatte zuvor berichtet, dass einer der beiden Verantwortlichen für den Wiederaufbau der Firma, Markus Buch, eine Ansiedlung in Niedersachsen ausschließe. Buch begründete das gegenüber dem Blatt mit dem Hinweis, dass nach dem Unglück im vergangenen September das niedersächsische Umweltministerium die Aufsichtsmaßnahmen drastisch erhöht habe. Angesichts der Kontrollwut der Behörden seien potenzielle Partner für den Wiederaufbau bereits abgesprungen.

Klose widersprach der Darstellung ausdrücklich, räumte aber ein, dass die Aufsicht in Niedersachsen strenger geworden sei: „Die machen im Moment verstärkt Kontrollen aufgrund der Vorfälle in Ritterhude.“ Ein Wechsel in ein anderes Bundesland würde daran aber für die Firma grundlegend nichts ändern, da die Vorschriften bundesweit einheitlich seien.

Anwohner würde der Wegzug nicht stören

Sicherheitsstandards aufzuweichen, um eine Firma zu halten, lehnt Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) ab. Die Bürger forderten mit Recht, dass die Sicherheit auch und besonders im Umfeld von Industrieanlagen gewährleistet werde, sagte Wenzel: „Die Einhaltung ist selbstverständlich.“ Man dürfe nicht dahin kommen, dass Betriebe, die Recht und Gesetz missachteten, einen wirtschaftlichen Vorteil erlangen. „Sicherheitsrabatte wird es nicht geben“, sagte der Minister.

Karl-Friedrich Brust, Nachbar der explodierten Entsorgungsanlage, hofft, dass Organo Fluid sich aus Ritterhude zurückziehen wird, bleibt aber skeptisch. „Das warte ich erst einmal ab.“ Nach derzeitiger Planung solle die Verwaltung im Ort bleiben, was Brust missfällt: „Wir wollen sie am liebsten ganz weghaben, aufgrund der schlechten Erfahrungen.“ Zu oft schon habe sich die Firma nicht an ihre Aussagen gehalten.

Auch zu den Behörden hat Brust wenig Vertrauen: Diese hätten vor der Explosion alle Bedenken der Anwohner abgebügelt. „Unsere Befürchtung ist, dass selbst wenn hier nur ein Büro gebaut werden soll, es am Ende wieder anders genutzt wird und wir als Anwohner da wieder hinterherlaufen müssen“, sagt der Ritterhuder. Wenn die Behörden einräumen würden, dass sie Fehler gemacht haben, könnte man wieder Vertrauen zu ihnen fassen, so Brust.

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