"Costa Concordia"-Prozess

Unglückskapitän Schettino vor Gericht

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Foto: Hält sich nicht für den Hauptschuldigen: Francesco Schettino, Kapitän der Costa Concordia.

Grosseto - Nach gut einwöchiger Pause soll der Prozess um die tödliche Havarie der „Costa Concordia“ jetzt richtig beginnen. Doch das Verfahren kommt nur langsam in Fahrt. Bis zu einem Urteil könnten Monate vergehen.

Im Prozess um die tödliche Havarie der „Costa Concordia“ haben die Anwälte des Unglückskapitäns gefordert, diesen nicht für die Fehler seiner Crew zur Rechenschaft zu ziehen. „Schettino ist sicher verantwortlich für seine Handlungen“, sagte sein Anwalt Donato Laino am Mittwoch im toskanischen Grosseto. „Aber er kann nicht für die Fehler der anderen geradestehen.“ Der Prozess um das Drama mit 32 Toten war direkt nach dem Auftakt vergangene Woche wegen eines Anwaltsstreiks in Italien verschoben worden.

Am Mittwoch wurde das Verfahren nun mit langwierigen Verfahrensfragen fortgesetzt. Francesco Schettino war braungebrannt und in dunklem Anzug vor Gericht erschienen. Am Nachmittag sollte voraussichtlich die Anklage gegen den einzigen Beschuldigten in diesem Verfahren verlesen werden. Dem 52-Jährigen werden mehrfache fahrlässige Tötung und Körperverletzung, Havarie und Verlassen des Schiffes noch während der Evakuierung vorgeworfen.

Schettinos Verteidiger beantragten erneut eine ausgehandelte Strafe von drei Jahren und fünf Monaten für ihren Mandaten. Mit einem solchen Versuch waren sie in den Voranhörungen schon gescheitert. Anwalt Domenico Pepe betonte, Schettinos einziger Fehler sei es wahrscheinlich gewesen, zu sehr der Crew vertraut zu haben.

Der 290 Meter lange Luxusliner war im Januar 2012 zu nahe an die Toskana-Insel Giglio herangefahren, hatte einen Felsen gerammt und war havariert. Bei dem Unglück starben 32 Menschen, darunter auch zwölf Deutsche. Zwei der Opfer werden noch immer vermisst.

Fünf weitere Beschuldigte hatten sich mit der Staatsanwaltschaft auf Absprachen über das Strafmaß geeinigt, die Reederei Costa Crociere, zu deren Flotte die „Costa Concordia“ gehört, war durch die Zahlung einer Strafe zunächst einem Prozess entgangen. Die Verteidigung kritisierten dieses Vorgehen.

Mehr als 400 Zeugen geladen

Auch für viele Opfer-Anwälte sind die Absprachen zwischen den fünf Beschuldigten und der Staatsanwaltschaft ein Skandal. „Auf der Anklagebank sollte nicht nur der Kapitän Schettino sein“, sagte Massimiliano Gabrielli. Sein Kollege Fabio Targa klagte: „Es ist tief ungerecht, dass Personen, die schwere Schuld haben, quasi ohne Strafe davonkommen.“ Das Gericht in Grosseto entscheidet am Samstag, ob es die geplanten Absprachen über das Strafmaß zulässt.

Dem Unglückskapitän Schettino drohen mehrere Jahre Haft. Die Anklage sieht in ihm den Hauptverantwortlichen für das Drama. Nach Ansicht von Staatsanwalt Francesco Verusio bestehen an Schettinos Schuld keine Zweifel, nur die Höhe der Strafe müsse festgelegt werden. „Wir sind optimistisch, dass der Prozess in kurzer Zeit zu Ende geht, innerhalb der ersten Hälfte des Jahres 2014“, sagte er. Angesichts von mehr als 400 Zeugen und einer langen Liste von Nebenklägern könnte sich der Prozess jedoch lange hinziehen.

dpa

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