Uni Göttingen

Uni-Präsidentin bedauert Elite-Verlust

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Gründe für Beschluss unklar: Prof. Ulrike Beisiegel, Präsidentin der Universität Göttingen

Göttingen - Ulrike Beisiegel ist seit Januar 2011 Präsidentin der Georg-August-Universität Göttingen. Die habilitierte Biochemikerin zeigt sich enttäuscht über das Abschneiden der Uni in der Elite-Runde.

Fünf Jahre lang gehörte die Hochschule in Göttingen als einzige in Niedersachsen zum Kreis der Exzellenz-Universitäten – neuerdings nicht mehr. Die Präsidentin der Universität, Ulrike Beisiegel, zeigt sich enttäuscht über das Ausscheiden aus der Runde der Elite-Universitäten.

Frau Beisiegel, man hatte den Eindruck, dass Sie von der negativen Entscheidung des Bewilligungsausschusses kalt erwischt wurden. War es so?

Wir hatten vorher Informationen, dass die internationalen Gutachter unser Zukunftskonzept als sehr gut eingestuft haben. Vor allem die neuen Komponenten – die Nutzbarmachung unserer wertvollen wissenschaftlichen Sammlungen und der Aufbau einer sogenannten E-Research-Struktur für Forschung und Lehre – wurden uneingeschränkt positiv bewertet. Wir haben deshalb in der Tat nicht damit gerechnet, dass wir diesmal nicht dabei sind. Bislang kennen wir auch die Gründe nicht, die zu dieser Entscheidung geführt haben. Der Wissenschaftsrat wird uns dies Mitte Juli schriftlich mitteilen. Auf diesen Brief sind wir sehr gespannt.

Könnte es sein, dass die Kommission mit den Leistungen aus der vorherigen Exzellenzrunde nicht zufrieden war?

Alles, was die Universität sich vorgenommen hatte, hat sie erreicht. Unser erstes Zukunftskonzept ist vollständig umgesetzt worden. Unsere Leistung lässt sich auch konkret an Zahlen ablesen. Wir haben zum Beispiel in den vergangenen Jahren 70 Prozent mehr Drittmittel von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eingeworben und fünf neue Sonderforschungsbereiche sowie zahlreiche Forschergruppen eingerichtet. Die Zahl der in den hochrangigsten internationalen Fachzeitschriften veröffentlichen Beiträge von Göttinger Forschern ist um fast 100 Prozent gestiegen. Im aktuellen Publikationsindex der Zeitschrift „Nature“ liegen wir im deutschen Vergleich auf Platz 3, in vielen internationalen Rankings rangieren wir unter den ersten vier deutschen Universitäten. Wir können uns da also nichts vorwerfen. Aber die anderen waren an irgendwelchen Ecken vielleicht besser als wir.

Spielten möglicherweise politische Gründe eine Rolle?

Nach allem, was wir bislang gehört haben, wurden die Entscheidungen von den Wissenschaftlern in der Kommission getroffen. Die Politiker haben daran nichts geändert. Aber ich bin natürlich erfahren genug, um zu wissen, dass auch Entscheidungen von Wissenschaftlern nicht nur rein wissenschaftlicher Natur sind.

Wie geht die Universität mit dieser Niederlage um?

Wir sind natürlich enttäuscht, aber wir nehmen es sportlich und werden das Beste daraus machen. Das Allerwichtigste ist, dass die Stimmung nicht kippt und wir unseren besonderen „Göttingen Spirit“ erhalten. Mein Eindruck ist, dass das gelingt. Viele Kolleginnen und Kollegen haben gesagt: „Jetzt erst recht.“ Wir werden weite Teile unseres Zukunftskonzeptes trotzdem umsetzen.

Wie wollen Sie die erhofften 60 Millionen Euro Fördermittel aus der Exzellenzinitiative ausgleichen?

Wir haben konkrete Ideen für das Einwerben von Drittmitteln und werden auch ein Fundraising-Projekt starten. Außerdem hat uns das Land explizit seine Unterstützung zugesagt, dafür sind wir sehr dankbar. Hinzu kommt, dass unsere Hauptprojekte – die Nutzung der akademischen Sammlungen und die Schaffung einer digitalen Forschungsinfrastruktur – auf Empfehlungen des Wissenschaftsrates zurückgehen. Deshalb rechnen wir uns gute Chancen bei den Ausschreibungen aus, die jetzt auf deutscher und europäischer Ebene anlaufen. In diesen Bereichen sind wir besser aufgestellt als einige der jetzigen Exzellenz-Universitäten.

Welche Folgen hat die Entscheidung für die Wissenschaftler, die aus Mitteln der Exzellenzinitiative finanziert wurden?

Alle im Rahmen des Zukunftskonzepts geschaffenen Juniorprofessuren sind „Tenure-track-Stellen“. Das bedeutet, dass die Wissenschaftler nach einer bestimmten Zeit begutachtet werden, und wenn die Begutachtung positiv ist, können sie bleiben. Die Stellen sind nachhaltig gesichert. Im Übrigen sind diese Forscher so exzellent, dass viele schon Rufe von außen erhalten haben und wir deshalb bereits Bleibeverhandlungen mit ihnen führen. Wir bekommen zudem noch eine Auslauffinanzierung von der DFG und haben entsprechende finanzielle Reserven eingeplant, so dass wir keine Projekte abbrechen müssen. Allerdings werden wir einige der Mitarbeiterstellen nicht ohne Weiteres verlängern können. Wir werden aber auch dafür Konzepte erarbeiten und versuchen, Mittel einzuwerben.

Sind Sie da nicht zu optimistisch?

Wenn man wenig Haushaltsgeld hat, muss man eben kreativ sein wie beim Kochen. Und für Kreativität sind wir in Göttingen bekannt.

Interview: Heidi Niemann

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